Diese Patienteninformation soll Ihnen helfen, das Krankheitsbild der Perilymphfistel besser zu verstehen. Sie ersetzt kein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, sondern dient als ergänzende Information.
Was ist eine Perilymphfistel?
Eine Perilymphfistel ist eine kleine, unnatürliche Verbindung (Leckage) zwischen dem Innenohr und dem Mittelohr. Durch diese Öffnung kann Innenohrflüssigkeit (Perilymphe) austreten.
Die Perilymphe ist wichtig für das Gleichgewicht und das Hören. Wenn sie austritt oder der Druck im Innenohr sich verändert, können Schwindel, Hörminderung oder Ohrgeräusche (Tinnitus) entstehen.
Ursachen
Eine Perilymphfistel kann entstehen durch:
• Verletzungen oder Druckereignisse, z. B.:
o starkes Pressen oder Heben
o Husten oder Niesen mit geschlossenem Mund/Nase („Valsalva-Manöver“)
o Tauch- oder Flugunfälle (Druckunterschiede)
o Schädel- oder Ohrverletzungen
• Chirurgische Eingriffe am Ohr
• Spontan ohne erkennbare Ursache (seltener)
Typische Symptome
• Plötzlicher oder fluktuierender Hörverlust (oft einseitig)
• Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
• Tinnitus (Ohrgeräusche)
• Druck- oder Völlegefühl im Ohr
• Verstärkung der Beschwerden bei Husten, Niesen oder körperlicher Anstrengung
Diagnose
Die Diagnose ist oft schwierig, da die Symptome unspezifisch sind. Zur Abklärung können gehören:
• HNO-ärztliche Untersuchung
• Hörtests (Audiometrie)
• Gleichgewichtstests
• Bildgebung (z. B. MRT oder CT, um andere Ursachen auszuschließen)
• Explorative Tympanotomie (operative Eröffnung des Mittelohres): Hierbei kann der Arzt eine Fistel direkt erkennen und gleichzeitig behandeln.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Schwere der Beschwerden:
1. Konservativ (nicht-operativ):
• Körperliche Schonung (kein Heben, Pressen, Husten vermeiden)
• Bettruhe mit leicht erhöhtem Oberkörper
• Medikamentöse Behandlung zur Druckstabilisierung oder Schwindelkontrolle
→ Ziel: Die Fistel soll sich spontan verschließen.
2. Operativ:
• Wenn die Symptome bestehen bleiben oder sich verschlechtern, kann eine operative Abdichtung der Fistel erfolgen (z. B. durch Auflegen von Bindegewebe, Fett oder Faszie).
• Nach der Operation: einige Tage Bettruhe und Vermeidung von Druckveränderungen.
Prognose
• Viele Patienten bessern sich nach konservativer oder operativer Behandlung deutlich.
• In manchen Fällen bleibt ein Restschwindel oder eine Hörminderung bestehen.
• Eine frühe Diagnose und Schonung verbessern die Heilungschancen.
Wichtige Verhaltensregeln
Nach Diagnose oder Verdacht auf eine Perilymphfistel:
• Kein Heben schwerer Lasten
• Kein Tauchen oder Fliegen
• Husten und Niesen mit offenem Mund
• Kopfbewegungen langsam und vorsichtig durchführen
• Ärztliche Kontrollen regelmäßig wahrnehmen
Wann sollte man sofort zum Arzt?
• Plötzlicher Hörverlust
• Schwindelattacken oder Drehschwindel
• Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr
• Zunahme der Beschwerden trotz Schonung