Diese Patienteninformation soll Ihnen helfen, das Krankheitsbild der Vestibularisparoxysmie besser zu verstehen. Sie ersetzt kein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, sondern dient als ergänzende Information.
Was ist eine Vestibularisparoxysmie?
Die Vestibularisparoxysmie ist eine seltene, aber gut behandelbare Ursache für wiederkehrenden Schwindel.
Sie entsteht durch eine kurze, wiederholte Reizung des Gleichgewichtsnervs (Nervus vestibularis), meist weil ein Blutgefäß in der Nähe des Nerven liegt und ihn bei jeder Pulsbewegung leicht berührt oder zusammendrückt.
Diese mechanische Reizung kann die elektrischen Signale im Nerven kurzzeitig stören – dadurch kommt es zu plötzlichen Schwindelattacken.
Typische Beschwerden
• Plötzliche, kurze Schwindelanfälle (Sekunden bis wenige Minuten)
• Häufig mehrmals täglich oder in Serien auftretend
• Der Schwindel kann drehend oder schwankend empfunden werden
• Gelegentlich begleitet von:
o Ohrgeräuschen (Tinnitus)
o Hörminderung oder Druckgefühl im Ohr
o Augenzittern (Nystagmus) während der Attacke
• Zwischen den Anfällen fühlen sich die meisten Patientinnen und Patienten vollkommen beschwerdefrei
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose wird durch eine neurologisch-otoneurologische Untersuchung gestellt.
Wichtige Schritte sind:
• Gespräch und genaue Beschreibung der Attacken (Dauer, Häufigkeit, Auslöser)
• Körperliche Untersuchung und Prüfung des Gleichgewichtsorgans
• Bildgebung (MRT des Gehirns): Damit kann man sehen, ob ein Blutgefäß in der Nähe des Gleichgewichtsnervs verläuft.
• In manchen Fällen wird ein Therapieversuch mit Medikamenten durchgeführt – eine Besserung kann die Diagnose zusätzlich bestätigen.
Behandlung
Die Erkrankung lässt sich in der Regel gut mit Medikamenten behandeln.
Häufig werden sogenannte Antikonvulsiva (Nervenstabilisierer) eingesetzt, z. B.:
• Carbamazepin oder
• Oxcarbazepin
Diese Medikamente vermindern die übermäßige Erregbarkeit des Nerven und können die Anfälle deutlich reduzieren oder vollständig verhindern.
In seltenen Fällen, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, kann über eine mikrochirurgische Entlastung des Nerven (sogenannte Dekompression) nachgedacht werden.
Prognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr gut.
Mit einer passenden Medikation lassen sich die Anfälle meist vollständig kontrollieren.
Langfristige Schäden des Gleichgewichtssinns sind selten.
Wichtige Hinweise
• Die Erkrankung ist nicht gefährlich, aber kann belastend sein.
• Eine regelmäßige Kontrolle durch Ihre behandelnde Ärztin / Ihren Arzt ist wichtig, um die Therapie optimal einzustellen.
• Bitte verändern Sie die Medikamentendosis nicht eigenständig.
• Sollten neue Symptome auftreten (z. B. anhaltender Schwindel, Doppelbilder, Gefühlsstörungen), informieren Sie bitte sofort Ihre Ärztin / Ihren Arzt.
Eine Referenzliste kann auf Wunsch eingesehen werden.