Mal de Débarquement

 Diese Patienteninformation soll Ihnen helfen, das Krankheitsbild  Mal de Débarquement besser zu verstehen. Sie ersetzt kein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, sondern dient als ergänzende Information.

Mal de Débarquement-Syndrom (MdDS)

„Gefühl des Schwankens nach einer Reise“

Was ist das Mal de Débarquement-Syndrom?


Das Mal de Débarquement-Syndrom (MdDS) ist eine seltene Form des Schwindels. Betroffene haben nach einer Reise – meist nach einer Schiffsreise, aber auch nach einem Flug, einer Bahn- oder Autofahrt – das Gefühl, weiterhin zu schaukeln oder zu schwanken, obwohl sie sich wieder auf festem Boden befinden.

Typisch beschreiben Betroffene das Gefühl mit Aussagen wie:

  • „Ich schwanke wie auf einem Schiff.“
  • „Der Boden bewegt sich unter mir.“
  • „Ich werde hin- und hergeschaukelt.“

Wichtig: MdDS ist nicht gefährlich, kann jedoch den Alltag erheblich beeinträchtigen. Da die Erkrankung selten ist, wird sie häufig zunächst nicht erkannt oder mit anderen Schwindelerkrankungen verwechselt.

Typische Symptome

  • anhaltendes Schwank-, Schaukel- oder Wiegegefühl
  • Gefühl, als wäre man weiterhin auf einem Schiff
  • Verstärkung der Beschwerden beim ruhigen Sitzen, Stehen oder Liegen
  • häufige Besserung während aktiver Bewegung, z. B. beim Gehen oder Autofahren
  • Unsicherheitsgefühl beim Stehen
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • gelegentlich leichter Kopfdruck oder Übelkeit

Nicht typisch sind:

  • Drehschwindel
  • Hörminderung
  • Ohrgeräusche
  • Doppelbilder
  • Bewusstlosigkeit
  • Lähmungen
  • Sprachstörungen
  • andere neurologische Ausfälle

Wer ist häufiger betroffen?

Das Mal de Débarquement-Syndrom tritt deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Besonders häufig betroffen sind Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Warum Frauen häufiger erkranken, ist bislang noch nicht vollständig geklärt.

Wie entsteht das?

Während einer längeren Reise passt sich unser Gleichgewichtssystem an die ständig wiederkehrenden Bewegungen an, beispielsweise an Wellengang auf einem Schiff oder an die Bewegungen eines Flugzeugs.

Nach der Reise gelingt es dem Gehirn normalerweise, sich wieder auf einen festen Untergrund einzustellen. Beim Mal de Débarquement-Syndrom bleibt diese Anpassung jedoch bestehen – das Gehirn „schaltet” nicht vollständig zurück. Dadurch entsteht das anhaltende Gefühl des Schaukelns oder Schwankens.

Häufige Auslöser

  • Kreuzfahrten oder Bootsfahrten
  • Flüge über mehrere Stunden
  • längere Bahn- oder Busreisen
  • selten auch ohne erkennbaren Auslöser („spontanes MdDS“)

Ist MdDS gefährlich?

MdDS ist nicht gefährlich und verursacht keine bleibenden Schäden am Gehirn oder Innenohr.

Die Beschwerden können jedoch sehr belastend sein und die Lebensqualität erheblich einschränken, insbesondere wenn sie über mehrere Wochen oder Monate bestehen bleiben.

Wie lange dauert das?

Der Verlauf ist unterschiedlich.

  • Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage bis Wochen.
  • Bei einigen Patienten können die Symptome mehrere Monate anhalten.
  • Nur selten entwickelt sich ein chronischer Verlauf über Jahre.

Eine frühzeitige Diagnose und eine gezielte Behandlung können die Erholung unterstützen.

Wie wird die Diagnose gestellt?


Es gibt keinen einzelnen Test, mit dem MdDS sicher nachgewiesen werden kann. Die Diagnose basiert auf:

  • der typischen Vorgeschichte (Schiffs-, Flug-, Bahn- oder Autofahrt)
  • den charakteristischen Beschwerden
  • einer meist unauffälligen Gleichgewichtsuntersuchung
  • dem Ausschluss anderer Ursachen wie beispielsweise Lagerungsschwindel, vestibulärer Migräne oder Erkrankungen des Innenohrs

Wie kann MdDS behandelt werden?

  1. Spezialisierte vestibuläre Rehabilitation

Eine individuell angepasste vestibuläre Rehabilitation stellt derzeit die wichtigste Behandlungsmöglichkeit dar.

Dabei werden gezielte Augen-, Kopf- und Körperbewegungen eingesetzt, um das anhaltende Bewegungsmuster im Gehirn neu anzupassen. Je nach Befund können zusätzlich visuelle Bewegungsreize (optokinetische Stimulation) eingesetzt werden.

Studien zeigen, dass insbesondere eine frühzeitige Behandlung die Erfolgsaussichten verbessern kann.

  1. Körperliche Aktivität

Regelmäßige Bewegung unterstützt die Anpassung des Gleichgewichtssystems.

Geeignet sind beispielsweise:

  • Spaziergänge
  • Radfahren
  • leichtes Ausdauertraining

Viele Betroffene berichten außerdem, dass sich ihre Beschwerden während des Autofahrens vorübergehend deutlich bessern und erst nach dem Anhalten wieder auftreten. Dieses Phänomen ist für MdDS typisch.

  1. Stress und Schlaf

Stress verursacht MdDS nicht, kann die Beschwerden jedoch deutlich verstärken.

Ausreichender Schlaf und regelmäßige Erholungsphasen unterstützen den Heilungsverlauf.

  1. Medikamente

Medikamente spielen nur eine untergeordnete Rolle.

In Einzelfällen können kurzfristig eingesetzt werden:

  • Benzodiazepine
  • niedrig dosierte SSRI oder SNRI

Nicht wirksam sind in der Regel:

  • klassische Schwindelmedikamente (z. B. Dimenhydrinat)
  • Betahistin
  1. Psychologische Unterstützung

Bei länger anhaltenden Beschwerden können verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen, besser mit den Symptomen umzugehen und Ängste abzubauen.

Was können Sie selbst tun?

  • täglich leichte Bewegung
  • Spaziergänge oder Radfahren
  • regelmäßigen Schlaf einhalten
  • Stress möglichst reduzieren
  • reizreiche Situationen langsam und schrittweise wieder in den Alltag integrieren
  • Geduld haben – die Besserung erfolgt häufig schrittweise

Vermeiden Sie möglichst:

  • längere Bettruhe
  • dauerhafte Schonung
  • vollständigen Rückzug aus dem Alltag

Wann sollten Sie erneut einen Arzt aufsuchen?

  • wenn sich die Beschwerden nach 4–6 Wochen nicht bessern,
  • wenn Unsicherheit bezüglich der Diagnose besteht,
  • wenn plötzlich neue Beschwerden wie Hörverlust, starke Kopfschmerzen, Doppelbilder, Lähmungen oder Sprachstörungen auftreten.

Zusammenfassung

Das Mal de Débarquement-Syndrom (MdDS) ist eine seltene, aber gutartige Ursache von Schwindel nach einer Reise. Obwohl sich die Beschwerden sehr belastend anfühlen können, bilden sie sich bei vielen Betroffenen innerhalb weniger Wochen wieder zurück. Eine frühzeitige Diagnose, regelmäßige Bewegung und eine gezielte vestibuläre Rehabilitation können die Erholung unterstützen und die Rückkehr in den Alltag erleichtern.

Eine Referenzliste kann auf Wunsch eingesehen werden.

→ Hier geht es zum Therapieprotokoll “Mal de Débarquement”