Diese Patienteninformation soll Ihnen helfen, das Krankheitsbild des Bogengangsdehiszenssyndrom besser zu verstehen. Sie ersetzt kein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, sondern dient als ergänzende Information.
 
Was ist das Bogengangsdehiszenzsyndrom?
 
Das Bogengangsdehiszenzsyndrom (BGS) ist eine seltene Erkrankung des Innenohrs. Dabei besteht eine dünne Stelle oder eine Öffnung (Dehiszenz) im Knochen über einem der Bogengänge (meist dem oberen/„superioren“ Bogengang).
Diese zusätzliche „Öffnung“ verändert die normale Schall- und Druckweiterleitung im Innenohr und kann zu Schwindel- und Hörbeschwerden führen.
 
Welche Beschwerden können auftreten?
 
Die Symptome sind individuell verschieden.
Häufig berichten Betroffene über:
  • Schwindel oder Benommenheit, ausgelöst durch laute Geräusche (z. B. Klatschen, Musik)
  • Schwindel durch Druckveränderungen (Pressen, Husten, Niesen)
  • Hörveränderungen, z. B. Überempfindlichkeit gegenüber eigenen Körpergeräuschen (Stimme, Kauen, Herzschlag)
  • Verzerrtes oder gedämpftes Hören
  • Hörminderung, meist im Tieftonbereich
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Druck- oder Völlegefühl im Ohr
  • Unsicherer Gang oder Gleichgewichtsstörungen
Nicht jede Person mit einer Dehiszenz hat Beschwerden.
 
Wie entsteht das Bogengangsdehiszenzsyndrom?
 
Die genaue Ursache ist nicht immer klar.
Mögliche Faktoren sind:
  • Angeborene Knochendünne über dem Bogengang
  • Verstärkung im Laufe des Lebens, z. B. durch Alterungsprozesse, starke Druckbelastungen, Kopfverletzungen (selten)
 
Wie wird die Diagnose gestellt?
 
Die Diagnose erfolgt in spezialisierten Zentren und beruht auf mehreren Bausteinen:
  • Ausführliches ärztliches Gespräch (Art der Beschwerden, Auslöser)
  • Hörtests (Audiometrie)
  • Gleichgewichts- und Augenbewegungstests (z. B. VEMP)
  • Hochauflösende CT-Untersuchung des Schläfenbeins, um die knöcherne Öffnung sichtbar zu machen
 
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
 
Die Therapie richtet sich nach dem Leidensdruck:
 
1. Abwartendes Vorgehen / konservativ
  • Bei milden Beschwerden
  • Vermeidung bekannter Auslöser
  • Aufklärung und ggf. Schwindeltraining
2. Operative Behandlung
  • Bei starken, einschränkenden Symptomen
  • Ziel: Verschluss oder Abdeckung der Dehiszenz
  • Erfolgt in spezialisierten HNO-Zentren
  • Gute Erfolgsaussichten, aber wie jede Operation mit Risiken verbunden
 
Welche Behandlung für Sie sinnvoll ist, wird individuell besprochen.
 
Was können Sie selbst tun?
 
  • Beobachten und notieren Sie Auslöser Ihrer Beschwerden
  • Vermeiden Sie starkes Pressen, wenn möglich
  • Suchen Sie bei neuen oder zunehmenden Symptomen ärztlichen Rat
  • Lassen Sie sich in einem Schwindel- oder HNO-Spezialzentrum beraten
 
Zusammenfassung
 
Das Bogengangsdehiszenzsyndrom ist eine seltene, aber gut erklärbare Ursache für schall- oder druckabhängigen Schwindel und Hörveränderungen. Mit einer gezielten Diagnostik und individuell angepassten Therapie lassen sich die Beschwerden häufig deutlich lindern.
 
 

Eine Referenzliste kann auf Wunsch eingesehen werden.

→Hier geht es zum PDF “Bogengangsdehiszenz”