Praxisbeispiel Vestibuläre Migräne

 
Vestibuläre Migräne – Wenn Schwindel nicht vom Nacken kommt
Viele Patientinnen und Patienten kommen in meine Praxis mit der Aussage:
„Man hat mir gesagt, es kommt von der Halswirbelsäule.“
Doch nicht jeder Schwindel hat seine Ursache im Nacken. Ein häufig übersehener Grund für wiederkehrende Schwindelattacken ist die vestibuläre Migräne.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen anhand eines anonymisierten Fallbeispiels, wie sich diese Form des Schwindels äußern kann – und warum die richtige Diagnose entscheidend ist.
 
Fallbeispiel aus meinem Schwindelzentrum
Eine 46-jährige Patientin stellte sich mit seit Jahren wiederkehrenden Schwindelattacken vor.
Zuvor war sie über mehrere Monate wegen vermeintlicher HWS-Probleme behandelt worden – mit Mobilisation, Massagen und Wärmeanwendungen. Ohne Erfolg.
Erst eine gezielte Schwindelanamnese brachte Klarheit.
 
Typische Symptome einer vestibulären Migräne
Die Patientin berichtete:

  • Episoden alle 3–4 Wochen
  • Dauer jeweils 24–72 Stunden
  • Schwankschwindel mit Unsicherheitsgefühl
  • gelegentlich Drehschwindel
  • starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Rückzugsbedürfnis in dunkle Räume
  • zeitweise pulsierende Kopfschmerzen
  • Auslösung durch Stress, Schlafmangel oder hormonelle Veränderungen

Zusätzlich bestanden:

  • visuelle Überempfindlichkeit (Einkaufszentrum, gemusterte Böden, grelles Licht)
  • ausgeprägte Reisekrankheit seit der Kindheit

Dieses Muster ist hochtypisch für eine vestibuläre Migräne.
 
Warum die vestibulären Tests normal sind
Ein häufiger Irrtum:
„Wenn die Tests normal sind, kann es kein vestibuläres Problem sein.“
Bei der vestibulären Migräne sind:

  • Kopfimpulstest
  • Gleichgewichtstests
  • Dynamischer Visus

in der Regel unauffällig.
 
Die Ursache liegt nicht in einem strukturellen Defizit des Gleichgewichtsorgans, sondern in einer zentralen Reizverarbeitung im Rahmen der Migräneerkrankung.
Genau das unterscheidet sie von einer vestibulären Hypofunktion oder einem Lagerungsschwindel.
 
Wodurch wird vestibuläre Migräne ausgelöst?
Häufige Trigger sind:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • hormonelle Schwankungen
  • visuelle Reizüberflutung
  • langes Autofahren
  • grelles oder flackerndes Licht

Viele Betroffene berichten außerdem über eine starke visuelle Empfindlichkeit in Supermärkten oder auf stark gemusterten Böden.
 
Therapie: Was hilft bei vestibulärer Migräne?
Im Gegensatz zu einer klassischen vestibulären Unterfunktion steht hier nicht intensives Gleichgewichtstraining im Vordergrund.
Wichtiger sind:

  • ausführliche Aufklärung
  • Triggeranalyse

  • Schlaf- und Stressregulation

  • dosierte visuelle Habituation

  • ggf. neurologische Mitbetreuung

Eine individuell angepasste vestibuläre Therapie kann helfen, die Reizverarbeitung zu normalisieren und die Belastbarkeit im Alltag zu steigern.
 
Wann sollten Sie an vestibuläre Migräne denken?
Wenn Sie:

  • wiederkehrende Schwindelattacken haben
  • Licht und Lärm schlecht tolerieren
  • normale Gleichgewichtstests haben
  • in Stressphasen Beschwerden entwickeln
  • früher stark reisekrank waren

dann lohnt sich eine gezielte Abklärung.
 
Schwindeltherapie in Saarbrücken
In meinem Schwindelzentrum analysieren wir systematisch, welche Form von Schwindel vorliegt.
Denn nur eine präzise Diagnostik ermöglicht eine gezielte Therapie.
Nicht jeder Schwindel kommt vom Nacken – manchmal liegt die Ursache im Migränesystem.