Ototoxizität

Diese Patienteninformation soll Ihnen helfen, das Krankheitsbild der Ototoxizität besser zu verstehen. Sie ersetzt kein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, sondern dient als ergänzende Information.
 
Ototoxizität
Wenn Medikamente das Gleichgewichtsorgan oder das Gehör schädigen
Was bedeutet Ototoxizität?
Der Begriff Ototoxizität beschreibt eine Schädigung des Innenohrs durch bestimmte Medikamente oder chemische Substanzen.
Dabei können zwei Bereiche betroffen sein:
  • Das Hörorgan (Cochlea)
  • Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan)
Die Folge können Beschwerden wie Hörverlust, Tinnitus oder Schwindel sein.
In manchen Fällen sind diese Veränderungen vorübergehend, in anderen Fällen können sie dauerhaft bestehen bleiben.
 
Welche Symptome können auftreten?
Die Beschwerden hängen davon ab, welcher Teil des Innenohrs betroffen ist.
Symptome des Hörorgans
  • Hörminderung
  • Druckgefühl im Ohr
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache
 
Symptome des Gleichgewichtsorgans
Wenn das Gleichgewichtsorgan betroffen ist, können typische Schwindelsymptome auftreten:
  • Schwankschwindel
  • Unsicherheit beim Gehen
  • Schwierigkeiten beim Gehen im Dunkeln
  • Verschwommenes Sehen bei Kopfbewegungen (Oscillopsie)
Diese Beschwerden entstehen, weil das Gleichgewichtssystem im Innenohr wichtige Informationen für Augenbewegungen und Körperstabilität liefert.
 
Welche Medikamente können Ototoxizität verursachen?
Einige Medikamente können das Innenohr schädigen. Dazu gehören insbesondere:
 
Antibiotika
Bestimmte Aminoglykosid-Antibiotika können das Gleichgewichtsorgan schädigen.
Beispiele:
  • Gentamicin
  • Streptomycin
  • Tobramycin
Chemotherapeutika
Einige Medikamente aus der Krebsbehandlung können vor allem das Hörorgan beeinträchtigen.
Beispiele:
  • Cisplatin
  • Carboplatin
Weitere Medikamente
Auch andere Medikamente können selten ototoxische Nebenwirkungen haben:
  • Schleifendiuretika (z. B. Furosemid)
  • hochdosierte Salicylate (z. B. Aspirin)
  • bestimmte Antibiotika oder Antimalariamittel
Wichtig:
Diese Medikamente werden in der Medizin häufig aus guten Gründen eingesetzt, und eine Ototoxizität tritt nicht bei allen Patienten auf.
 
Wie entsteht die Schädigung?
Die Medikamente können empfindliche Sinneszellen im Innenohr schädigen, die sogenannten Haarzellen.
Diese Zellen sind verantwortlich für:
  • die Wahrnehmung von Schall
  • die Wahrnehmung von Kopfbewegungen
Werden diese Zellen geschädigt, können sie sich nur sehr begrenzt regenerieren.
 
Wie wird eine Ototoxizität diagnostiziert?
Wenn der Verdacht besteht, können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden:
 
Hörtests
  • Audiometrie
  • Otoakustische Emissionen
Gleichgewichtsdiagnostik
  • Kopfimpulstest
  • Videokopfimpulstest (vHIT)
  • kalorische Testung
  • dynamische Sehschärfe
Diese Untersuchungen helfen festzustellen, ob eine Funktionsstörung des Innenohrs vorliegt.
 
Was kann man bei Ototoxizität tun?
Wenn eine medikamentöse Schädigung vermutet wird, können verschiedene Maßnahmen sinnvoll sein:
  • Anpassung oder Wechsel des Medikaments
  • engmaschige Kontrolle des Hör- und Gleichgewichtssystems
  • vestibuläre Rehabilitationstherapie
Bei Gleichgewichtsstörungen kann eine gezielte Therapie helfen, dass das Gehirn den Funktionsverlust besser kompensiert.
 
Prognose
Der Verlauf hängt von verschiedenen Faktoren ab:
  • Art des Medikaments
  • Dosierung
  • Dauer der Einnahme
  • individuelle Empfindlichkeit
Manche Beschwerden bessern sich nach Absetzen des Medikaments wieder. In anderen Fällen kann eine dauerhafte Schädigung des Innenohrs bestehen bleiben.
Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, Folgeschäden zu begrenzen.
 
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Wenn während einer Medikamenteneinnahme folgende Symptome auftreten, sollte dies ärztlich abgeklärt werden:
  • neu aufgetretener Schwindel
  • Gangunsicherheit
  • Hörverlust
  • Tinnitus
Eine frühzeitige Untersuchung kann helfen, mögliche Ursachen zu erkennen.
 
Fazit
Ototoxizität ist eine seltene, aber wichtige mögliche Nebenwirkung bestimmter Medikamente.
Bei frühzeitiger Diagnose und gezielter Therapie können viele Patienten lernen, mit den Beschwerden umzugehen und ihre Stabilität im Alltag wieder zu verbessern.
 

Eine Referenzliste kann auf Wunsch eingesehen werden.

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