Wenn Lagerungsschwindel nicht besser wird!

Ein echter Patient aus unserer Schwindeltherapie
Ein Patient stellte sich bei uns mit anhaltendem Lagerungsschwindel (BPLS) vor – bereits seit mehreren Wochen.
Zwischendurch war der Schwindel immer wieder verschwunden, trat jedoch erneut auf.
Zu Hause hatte der Patient eigenständig Übungen durchgeführt (z. B. das sogenannte Semont-Manöver), teilweise über mehrere Wochen hinweg – jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.
Die Folge:

  • zunehmende Verunsicherung

  • erste Angstreaktionen bei Bewegung
  • Frustration trotz eigener Therapieversuche
Was war das Problem?
Bei der Untersuchung zeigte sich schnell:

Es handelte sich nicht um einen klassischen, einfachen Lagerungsschwindel.
Auffällige Befunde:
  • Dix-Hallpike-Test:
 Der erwartete, zur Stirn schlagende rotatorische Nystagmus blieb aus.
 Stattdessen zeigte sich ein horizontaler Nystagmus – ein typischer Hinweis auf eine Beteiligung des horizontalen Bogengangs.
  • Supine Roll Test (Test für den horizontalen Bogengang):
 apogeotroper (zur Zimmerdecke schlagender) horizontaler Nystagmus auf beiden Seiten
  • Bow & Lean Test (zur Seitenbestimmung):
    • Bow: Nystagmus nach links → Hinweis auf die nicht betroffene Seite
      • Lean: Nystagmus nach rechts → Hinweis auf die betroffene Seite
Das Entscheidende:

  • Es lag ein eher seltener Lagerungsschwindel des horizontalen Bogengangs vor

  • sehr wahrscheinlich eine Cupulolithiasis (apogeotrop) der rechten Seite
👉 Und genau hier lag das Problem.
 
Warum die Übungen zu Hause nicht geholfen haben
 
Viele Patienten erhalten (oder finden online) Übungen für den hinteren Bogengang, z. B.:
  • Semont-Manöver
  • Epley-Manöver
Diese sind jedoch nicht geeignet für den horizontalen Bogengang.
Das bedeutet:

  • falsche Übungen = keine Besserung

  • im ungünstigsten Fall sogar Verschlechterung oder Chronifizierung
Die Lösung: gezielte Diagnostik + passendes Manöver
Nach klarer Diagnosestellung wurde in der Praxis ein spezifisches Manöver durchgeführt:
 
Das sogenannte „KIM-Manöver“
 
Durchführung (vereinfacht erklärt):
  • Der Patient dreht sich auf die rechte Seite auf der Behandlungsliege
  • Der Kopf wird so positioniert, dass das rechte Os mastoideum gut zugänglich ist
  • Es erfolgt eine Vibration am Os mastoideum für ca. 30 Sekunden bei gleichzeitiger Beobachtung der Augenbewegungen
  • Sobald der Nystagmus stoppt, gilt dies als Hinweis, dass die an der Cupula haftenden Partikel gelöst wurden
  • Anschließend wird der Patient auf die linke Seite gedreht
  • Auch hier erfolgt eine Vibration am Os mastoideum
  • Abschließend wird erneut getestet, ob Nystagmus und Schwindel verschwunden sind
Ziel:
 Die an der Cupula haftenden Partikel (Cupulolithiasis) werden gelöst.
 
Ergebnis
Bereits nach der Behandlung zeigte sich:
  • deutliche Reduktion des Schwindels

  • kein nachweisbarer Nystagmus mehr

  • vor allem: große Erleichterung beim Patienten
 
Was man aus diesem Fall lernen kann
  • Nicht jeder Lagerungsschwindel ist gleich
Es gibt verschiedene Formen:
  • posterior (häufig)
  • horizontal (oft übersehen!)
  • anterior (selten)
Die richtige Diagnostik ist entscheidend
  • Standardübungen helfen nur, wenn die Diagnose korrekt ist.
Zu viele Eigenübungen können problematisch sein
  • Gerade bei falscher Kanalzuordnung kann sich der Schwindel verfestigen.
Frühzeitig zum Spezialisten
  • Wenn Beschwerden länger als wenige Tage bestehen bleiben oder immer wieder auftreten:
👉 unbedingt gezielt abklären lassen
Fazit
Lagerungsschwindel ist in den meisten Fällen gut behandelbar –
aber nur mit der richtigen Diagnose und dem passenden Manöver.
Dieser Fall zeigt eindrücklich:
 
  • „Mehr Übungen“ ist nicht automatisch die Lösung

  • entscheidend ist die richtige Therapie zur richtigen Zeit