Lagerungsschwindel schon wieder? Warum Rückfälle so häufig sind

„Ich dachte, das wäre erledigt. Warum habe ich schon wieder Lagerungsschwindel?“

Diesen Satz hören wir regelmäßig in unserer Praxis.

Viele Betroffene sind verunsichert, wenn die Beschwerden nach Monaten oder sogar Jahren erneut auftreten. Manche machen sich Sorgen, etwas falsch gemacht zu haben. Andere fragen sich, ob die Behandlung beim letzten Mal überhaupt erfolgreich war.

Die gute Nachricht vorweg:

Rückfälle gehören leider zu den typischen Eigenschaften des gutartigen Lagerungsschwindels (BPLS). Ein erneutes Auftreten bedeutet in den meisten Fällen nicht, dass etwas Gefährliches dahintersteckt.

Rückfälle sind beim Lagerungsschwindel keine Seltenheit

Der gutartige Lagerungsschwindel zählt zu den häufigsten Schwindelerkrankungen überhaupt.

Gleichzeitig gehört er zu den Erkrankungen mit einer vergleichsweise hohen Rückfallrate.

Studien zeigen, dass etwa 15 Prozent der Betroffenen pro Jahr einen Rückfall erleben. Innerhalb von fünf Jahren tritt bei ungefähr jedem zweiten Patienten erneut Lagerungsschwindel auf.

Das bedeutet:

Ein Rückfall ist zwar lästig, aber keineswegs ungewöhnlich.

Praxisbeispiel:

Eine Patientin stellte sich nach drei Jahren erneut mit typischen Beschwerden vor. Beim Umdrehen im Bett verspürte sie plötzlich wieder einen kurzen, heftigen Drehschwindel.

Ihre erste Frage lautete:

„Habe ich etwas falsch gemacht?“

Die Antwort war beruhigend:

Nein. Rückfälle gehören leider zu den häufigsten Eigenschaften dieser Erkrankung.

Habe ich etwas falsch gemacht?

Diese Frage beschäftigt viele Patienten.

Vielleicht haben Sie sich im Schlaf ungünstig gedreht. Vielleicht haben Sie Sport gemacht. Vielleicht haben Sie den Kopf zu schnell bewegt.

Tatsächlich gibt es für solche Erklärungen meist keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.

In den meisten Fällen lässt sich kein konkreter Auslöser identifizieren.

Ein erneuter Lagerungsschwindel bedeutet daher nicht automatisch, dass Sie etwas falsch gemacht haben.

Spielt die Schlafposition eine Rolle?

Viele Patienten berichten, dass ihre Beschwerden bevorzugt auf einer bestimmten Seite auftreten.

Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen der bevorzugten Schlafseite und der betroffenen Seite bestehen könnte.

Ob das bewusste Vermeiden bestimmter Schlafpositionen Rückfälle langfristig verhindern kann, ist bisher jedoch nicht eindeutig belegt.

Deshalb empfehlen wir unseren Patienten in der Regel nicht, dauerhaft eine bestimmte Schlafposition einzuhalten.

Gibt es bekannte Risikofaktoren?

Einige Faktoren werden mit einer erhöhten Rückfallwahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht.

Dazu gehören unter anderem:

  • Höheres Lebensalter
  • Frühere Episoden von Lagerungsschwindel
  • Osteoporose
  • Vitamin-D-Mangel
  • Migräne

Wichtig zu wissen:

Das Vorliegen eines Risikofaktors bedeutet nicht automatisch, dass ein Rückfall auftreten muss. Umgekehrt können Rückfälle auch ohne erkennbare Risikofaktoren entstehen

Welche Rolle spielt Vitamin D?

In den letzten Jahren wurde untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und wiederkehrendem Lagerungsschwindel besteht.

Mehrere Studien konnten zeigen, dass Patienten mit einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel häufiger Rückfälle entwickeln.

Daher kann es sinnvoll sein, den Vitamin-D-Spiegel ärztlich überprüfen zu lassen – insbesondere bei wiederkehrenden Episoden.

Vitamin D ist jedoch kein Wundermittel und ersetzt keine gezielte Diagnostik oder Behandlung.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn der Schwindel wiederkommt?

In den meisten Fällen lautet die Antwort:

Nein.

Ein erneuter Lagerungsschwindel bedeutet nicht automatisch, dass eine gefährliche Erkrankung vorliegt.

Trotzdem sollte jede neue Episode sorgfältig beurteilt werden.

Besonders dann, wenn:

  • die Beschwerden anders sind als früher
  • neurologische Symptome auftreten
  • Doppelbilder bestehen
  • Sprachstörungen auftreten
  • Gangunsicherheit zunimmt
  • die Symptome nicht zum typischen Muster eines Lagerungsschwindels passen

In diesen Fällen sollte eine erneute ärztliche Abklärung erfolgen.

Die gute Nachricht: Lagerungsschwindel lässt sich meist gut behandeln

Auch wenn Rückfälle häufig sind, bleibt die Prognose insgesamt sehr gut.

Durch gezielte Lagerungsmanöver können die Beschwerden oft innerhalb kurzer Zeit deutlich gebessert oder vollständig beseitigt werden.

Je früher die Ursache erkannt wird, desto schneller kann eine passende Behandlung erfolgen.

Fazit

Rückfälle gehören leider zu den typischen Eigenschaften des gutartigen Lagerungsschwindels.

Die meisten Betroffenen haben nichts falsch gemacht. Weder die Schlafposition noch eine bestimmte Bewegung sind in den meisten Fällen allein verantwortlich.

Wichtig ist, die Beschwerden erneut richtig einzuordnen und gegebenenfalls gezielt behandeln zu lassen.

Ein Rückfall ist ärgerlich – aber in den allermeisten Fällen kein Grund zur Panik.

Autor: Tom Hanf
Physiotherapeut und Vestibulartherapeut
Schwindelzentrum Saarbrücken