Was ist ein Cholesteatom?
Ein Cholesteatom ist eine chronische Erkrankung des Mittelohres, bei der Hautzellen an einer Stelle wachsen, an der sie eigentlich nicht hingehören. Diese Hautzellen sammeln sich im Mittelohr an und bilden eine Art Hautzyste.
Obwohl ein Cholesteatom kein Krebs und kein bösartiger Tumor ist, kann es sich im Laufe der Zeit ausdehnen und umliegende Knochenstrukturen zerstören. Deshalb sollte die Erkrankung immer ernst genommen und behandelt werden.
Früher wurde das Cholesteatom auch als „Perlgeschwulst“ oder „chronische Knocheneiterung“ bezeichnet.
WICHTIGER HINWEIS
Ein Cholesteatom heilt nicht von selbst.
Unbehandelt kann es:
- das Gehör dauerhaft schädigen
- Schwindel verursachen
- den Gesichtsnerv beeinträchtigen
- das Innenohr schädigen
- in seltenen Fällen lebensbedrohliche Komplikationen im Schädel verursachen
Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Heilungschancen erheblich.
Wie entsteht ein Cholesteatom?
In den meisten Fällen entsteht ein Cholesteatom durch eine langjährige Belüftungsstörung des Mittelohres.
Dadurch kann sich das Trommelfell nach innen ziehen und eine Tasche bilden. In dieser Tasche sammeln sich abgestorbene Hautzellen, die normalerweise nach außen abtransportiert würden.
Mit der Zeit wächst diese Ansammlung immer weiter.
Zusätzlich werden Entzündungsstoffe freigesetzt, die den umliegenden Knochen angreifen und abbauen können.
Welche Symptome verursacht ein Cholesteatom?
Die Beschwerden entwickeln sich häufig langsam über Monate oder Jahre.
Typische Symptome sind:
- Wiederkehrender oder dauerhafter Ausfluss aus dem Ohr
- Oft unangenehm riechender Ohrfluss
- Hörminderung oder Schwerhörigkeit
- Druckgefühl im Ohr
- Wiederkehrende Ohrentzündungen
Bei fortgeschrittener Erkrankung können zusätzlich auftreten:
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Schmerzen hinter dem Ohr
- Gesichtsnervenstörungen
Warum kann ein Cholesteatom gefährlich werden?
Das Cholesteatom wächst langsam, aber kontinuierlich.
Dabei kann es wichtige Strukturen zerstören:
Gehörknöchelchen
Werden Hammer, Amboss oder Steigbügel geschädigt, entsteht eine zunehmende Schwerhörigkeit.
Innenohr
Breitet sich die Erkrankung bis zum Innenohr aus, können Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder sogar eine hochgradige Hörminderung entstehen.
Gesichtsnerv
Der Gesichtsnerv verläuft direkt durch das Felsenbein. Wird er geschädigt, kann es zu einer Gesichtslähmung kommen.
Gehirn
In seltenen Fällen können schwere Komplikationen auftreten:
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
- Hirnabszess
- Entzündungen im Schädelinneren
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die wichtigste Untersuchung ist die HNO-ärztliche Ohrmikroskopie.
Dabei untersucht der Arzt das Trommelfell und den Gehörgang unter starker Vergrößerung.
Zusätzlich werden häufig durchgeführt:
- Hörtest (Audiometrie)
- Tympanometrie
- Untersuchung der Mittelohrfunktion
Welche Bildgebung ist notwendig?
Computertomographie (CT)
Die CT zeigt besonders gut die knöchernen Strukturen des Mittelohres und mögliche Knochenschäden.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Spezielle MRT-Techniken (DWI-MRT) helfen dabei:
- Cholesteatomgewebe nachzuweisen
- Rückfälle nach einer Operation zu erkennen
- Narbengewebe von einem echten Cholesteatom zu unterscheiden
Welche Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?
Nicht jeder Ausfluss aus dem Ohr bedeutet automatisch ein Cholesteatom.
Mögliche Alternativen sind:
- Chronische Mittelohrentzündung
- Gehörgangsentzündung
- Ohrenschmalzansammlungen
- Narbengewebe nach Operationen
- Andere Veränderungen des Mittelohres
Wie wird ein Cholesteatom behandelt?
Die einzige dauerhaft wirksame Behandlung ist eine Operation.
Medikamente oder Ohrentropfen können zwar Entzündungen lindern, das Cholesteatom selbst jedoch nicht entfernen.
Das Ziel der Operation ist:
- vollständige Entfernung des Cholesteatoms
- Verhinderung weiterer Knochenschäden
- Schutz von Innenohr, Gesichtsnerv und Gehirn
- möglichst gute Wiederherstellung des Hörvermögens
Wie läuft die Operation ab?
Je nach Ausdehnung kommen unterschiedliche Operationsverfahren zum Einsatz.
Canal-Wall-up-Technik
Die hintere Gehörgangswand bleibt erhalten.
Vorteil:
- natürliche Anatomie bleibt weitgehend bestehen
Nachteil:
- Rückfälle sind manchmal schwieriger zu erkennen
Canal-Wall-down-Technik
Es wird eine sogenannte Radikalhöhle angelegt.
Vorteil:
- bessere Kontrolle bei ausgedehnten Cholesteatomen
Nachteil:
- regelmäßige Nachsorge bleibt erforderlich
Welche Methode geeignet ist, entscheidet der Operateur individuell.
Wie sind die Heilungschancen?
Die Prognose ist bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut.
Viele Patienten können dauerhaft geheilt werden.
Allerdings besteht ein gewisses Rückfallrisiko (Rezidiv), weshalb regelmäßige Nachkontrollen notwendig sind.
Deshalb gehören zur Nachsorge:
- HNO-Kontrollen
- Hörtests
- gegebenenfalls MRT-Untersuchungen
Was passiert ohne Behandlung?
Ohne Behandlung wächst das Cholesteatom weiter.
Mögliche Folgen sind:
- fortschreitende Schwerhörigkeit
- Innenohrschäden
- Schwindel
- Gesichtslähmung
- lebensbedrohliche Komplikationen im Schädelinneren
Eine frühzeitige Behandlung verhindert die meisten dieser Folgen.
Was können Betroffene selbst tun?
Sie können den Behandlungserfolg unterstützen durch:
- regelmäßige Nachsorgetermine
- sorgfältige Ohrpflege nach ärztlicher Empfehlung
- Schutz des Ohres vor Wasser, solange dies empfohlen wird
- sofortige Vorstellung beim HNO-Arzt bei erneutem Ohrfluss
Wann sollte ich sofort einen Arzt aufsuchen?
Suchen Sie zeitnah eine HNO-Praxis oder Notfallambulanz auf bei:
- neu auftretendem Ohrfluss
- unangenehm riechendem Sekret aus dem Ohr
- plötzlicher Hörverschlechterung
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Gesichtslähmungen
- starken Ohrschmerzen
Zusammenfassung für Patienten
Ein Cholesteatom ist eine chronische Erkrankung des Mittelohres, bei der Hautzellen an einer falschen Stelle wachsen und umliegende Knochen zerstören können. Obwohl es kein Tumor ist, kann es unbehandelt schwerwiegende Folgen für Gehör, Gleichgewicht, Gesichtsnerv und sogar das Gehirn haben.
Die Behandlung erfolgt fast immer operativ. Durch eine frühzeitige Diagnose, eine erfolgreiche Operation und regelmäßige Nachsorge sind die Heilungschancen in den meisten Fällen sehr gut.
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