Orthostatischer Schwindel

Diese Patienteninformation soll Ihnen helfen, orthostatischen Schwindel besser zu verstehen. Sie ersetzt kein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, sondern dient als ergänzende Information.
 

Orthostatischer Schwindel – Wenn der Blutdruck beim Aufstehen absackt

Was ist orthostatischer Schwindel?
Viele Menschen kennen das Gefühl:
Sie stehen schnell aus dem Bett oder vom Stuhl auf und plötzlich wird Ihnen schwindelig. Manche sehen schwarze Punkte vor den Augen, fühlen sich benommen oder haben das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.
In den meisten Fällen steckt dahinter eine sogenannte orthostatische Hypotonie. Dabei fällt der Blutdruck nach dem Aufstehen kurzfristig zu stark ab. Das Gehirn wird für wenige Sekunden nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt – der Schwindel entsteht.
Orthostatischer Schwindel gehört nicht zu den Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr.
 

Wie entsteht orthostatische Hypotonie?

Beim Aufstehen versacken etwa 500–1000 ml Blut durch die Schwerkraft in den Beinen und im Bauchraum.
Normalerweise reagiert der Körper innerhalb weniger Sekunden:
  • das Herz schlägt schneller
  • die Blutgefäße ziehen sich zusammen
  • der Blutdruck bleibt stabil
Funktioniert diese Regulation nicht ausreichend, fällt der Blutdruck ab und das Gehirn wird kurzfristig schlechter durchblutet.
 

Typische Symptome

Orthostatischer Schwindel tritt fast immer beim Lagewechsel auf.
Typisch sind:
  • Benommenheit
  • Schwarzwerden vor den Augen
  • Unsicherheitsgefühl
  • Schwankschwindel
  • Flimmern vor den Augen
  • Kalter Schweiß
  • Herzklopfen
  • Übelkeit
  • Beinahe-Ohnmacht
  • Ohnmacht (Synkope)
Die Beschwerden dauern häufig nur wenige Sekunden bis wenige Minuten.
 

Wer ist besonders betroffen?

Das Risiko steigt bei:
  • älteren Menschen
  • niedrigem Blutdruck
  • Flüssigkeitsmangel
  • heißen Temperaturen
  • längerem Liegen
  • Blutdruckmedikamenten
  • Parkinson-Erkrankung
  • Diabetes mit Nervenschädigung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die wichtigste Untersuchung ist die Messung des Blutdrucks im Liegen und nach dem Aufstehen.
Von einer orthostatischen Hypotonie spricht man, wenn innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen
  • der obere Blutdruck um mindestens 20 mmHg
  • oder der untere Blutdruck um mindestens 10 mmHg abfällt.
Je nach Situation können weitere Untersuchungen notwendig sein, beispielsweise:
  • EKG
  • Langzeit-Blutdruckmessung
  • Kipptischuntersuchung
  • neurologische Untersuchung
  • Herzuntersuchung

Was können Sie selbst tun?

Viele Beschwerden lassen sich bereits durch einfache Maßnahmen deutlich verbessern.

Trinken
Trinken Sie ausreichend Wasser, sofern keine Herz- oder Nierenerkrankung dagegenspricht.

Langsam aufstehen
Stehen Sie nicht ruckartig auf.
Besser:
  • erst aufsetzen
  • kurz sitzen bleiben
  • anschließend langsam aufstehen
Beine aktivieren
Vor dem Aufstehen helfen kleine Muskelübungen:
  • Füße bewegen
  • Waden anspannen
  • Beine kreuzen
  • mehrmals auf die Zehenspitzen gehen
Dadurch wird Blut zurück zum Herzen gepumpt.
 
Kompressionsstrümpfe
Bei manchen Patienten können medizinische Kompressionsstrümpfe hilfreich sein.
 
Salz
Bei einigen Patienten kann eine leicht erhöhte Salzzufuhr sinnvoll sein. Dies sollte jedoch immer mit dem Hausarzt oder Internisten abgesprochen werden.
 
Medikamente überprüfen
Einige Medikamente können den Blutdruck zusätzlich senken.
Ändern Sie Medikamente niemals selbstständig, sondern besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt.
 

Kann Physiotherapie helfen?

Ja.
Wenn die Ursache feststeht, kann ein gezieltes Training den Kreislauf langfristig stabilisieren.
Dazu gehören:
  • Krafttraining der Beinmuskulatur
  • Ausdauertraining
  • Gleichgewichtstraining
  • funktionelles Training im Alltag
Besonders bewährt hat sich ein strukturiertes Kraft- und Ausdauertraining, wie es beispielsweise im Levine-Protokollbeschrieben wird. Durch die Verbesserung der Muskelpumpe und der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit kann der Kreislauf langfristig stabilisiert werden.
 

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Bitte suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn
  • Ohnmachten auftreten
  • Stürze entstehen
  • Brustschmerzen bestehen
  • Atemnot auftritt
  • der Schwindel neu oder plötzlich beginnt
  • neurologische Symptome hinzukommen (z. B. Lähmungen oder Sprachstörungen)

Wichtig zu wissen

Orthostatischer Schwindel ist häufig und meist gut behandelbar.
Entscheidend ist zunächst die richtige Ursache zu erkennen. Nicht jeder Schwindel entsteht im Innenohr. Gerade Kreislaufstörungen lassen sich oft durch einfache Maßnahmen und gezieltes Training deutlich verbessern
 

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