Schwindel im Alter

Warum Schwindel im höheren Lebensalter häufig ist – und warum Sie ihn ernst nehmen sollten
Viele ältere Menschen glauben, Schwindel gehöre einfach zum Älterwerden. Tatsächlich nimmt die Häufigkeit mit den Jahren zu – normal ist Schwindel jedoch nicht. In den meisten Fällen lässt sich eine oder sogar mehrere behandelbare Ursachen finden.
 
„Ich dachte, das gehört einfach zum Alter.“
„Beim Aufstehen wird mir manchmal schwarz vor Augen.“
„Ich fühle mich unsicher, besonders beim Gehen.“
„Früher konnte ich problemlos spazieren gehen – heute habe ich ständig Angst zu stürzen.“

Diese Aussagen höre ich in meiner Schwindelsprechstunde regelmäßig.
Viele ältere Menschen akzeptieren Schwindel als unvermeidliche Begleiterscheinung des Alters. Aus Angst vor einem Sturz verlassen sie das Haus immer seltener, geben Hobbys auf oder vermeiden längere Spaziergänge. Dadurch bewegen sie sich weniger, verlieren Muskelkraft und werden noch unsicherer – ein Teufelskreis beginnt.

Die gute Nachricht lautet:
Schwindel ist keine normale Alterserscheinung.
Zwar verändern sich mit zunehmendem Alter viele Strukturen unseres Gleichgewichtssystems, dennoch steckt hinter Schwindel häufig eine konkrete Ursache, die erkannt und behandelt werden kann.
Gerade deshalb lohnt sich eine sorgfältige Diagnostik.
 

Praxisbeispiel

Fallbeispiel aus meinem Schwindelzentrum
Frau M., 79 Jahre, stellte sich in meiner Schwindelsprechstunde vor. Seit etwa einem Jahr fühlte sie sich beim Gehen zunehmend unsicher. Besonders auf unebenen Wegen oder beim Einkaufen hatte sie das Gefühl, jederzeit das Gleichgewicht zu verlieren. Mehrmals war sie bereits gestürzt – glücklicherweise ohne schwerwiegende Verletzungen.
Sie war überzeugt, dass diese Unsicherheit einfach zum Älterwerden gehöre.

Die ausführliche Untersuchung zeigte jedoch ein ganz anderes Bild.
Es handelte sich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um mehrere Faktoren, die zusammenwirkten:
  • ein altersbedingt nachlassendes Gleichgewichtsorgan (Presbyvestibulopathie),
  • eine leichte Polyneuropathie mit vermindertem Gefühl in den Füßen,
  • blutdrucksenkende Medikamente,
  • eine reduzierte Muskelkraft der Beine sowie
  • eine beginnende Sehverschlechterung.
Keine dieser Veränderungen allein hätte ihre Beschwerden vollständig erklärt. Erst das Zusammenspiel aller Faktoren führte zu der ausgeprägten Gangunsicherheit.
Nach einer Anpassung der Medikation durch den Hausarzt, einem gezielten Kraft- und Gleichgewichtstraining sowie einer vestibulären Rehabilitation fühlte sich Frau M. nach einigen Wochen wieder deutlich sicherer. Vor allem gewann sie das Vertrauen zurück, wieder selbstständig einkaufen und spazieren gehen zu können.

Die häufigsten Ursachen von Schwindel im Alter

Schwindel ist keine eigenständige Erkrankung.
Er ist vielmehr ein Symptom, das ganz unterschiedliche Ursachen haben kann.
Gerade bei älteren Menschen finden sich häufig mehrere Auslöser gleichzeitig.
Zu den häufigsten Ursachen gehören:
  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)
  • Presbyvestibulopathie (altersbedingte Abnahme der Gleichgewichtsfunktion)
  • Orthostatische Hypotonie
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Neurologische Erkrankungen
  • Sehverschlechterungen
  • Polyneuropathien
  • Verminderte Muskelkraft und Bewegungsmangel

Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Ursachen näher vor.

 
1. Lagerungsschwindel (BPLS)

Der gutartige Lagerungsschwindel ist die häufigste Schwindelerkrankung überhaupt – und tritt besonders häufig im höheren Lebensalter auf.
Dabei lösen sich kleine Kalziumkristalle (Otolithen) aus dem Gleichgewichtsorgan und gelangen in einen Bogengang.
Bei bestimmten Kopfbewegungen – beispielsweise beim Umdrehen im Bett, Hinlegen oder Aufstehen – werden diese Kristalle bewegt und reizen die Sinneszellen.
Typisch ist ein plötzlich einsetzender, heftiger Drehschwindel, der meist nur wenige Sekunden anhält.
Die gute Nachricht:
Der Lagerungsschwindel lässt sich in den meisten Fällen durch spezielle Lagerungsmanöver innerhalb weniger Minuten erfolgreich behandeln.
Deshalb sollte diese Ursache bei älteren Menschen immer frühzeitig ausgeschlossen werden.
 
2. Presbyvestibulopathie – Wenn das Gleichgewichtsorgan altert

Mit zunehmendem Alter nimmt die Funktion des Gleichgewichtsorgans langsam ab. Fachleute sprechen dann von einer Presbyvestibulopathie – einer altersbedingten Verminderung der Gleichgewichtsfunktion.
Dabei arbeiten beide Gleichgewichtsorgane nicht mehr so präzise wie in jungen Jahren. Das Gehirn erhält dadurch weniger zuverlässige Informationen über Kopfbewegungen und die Körperhaltung. Die Folge ist meist kein heftiger Drehschwindel, sondern eine zunehmende Unsicherheit im Alltag.
Typische Beschwerden sind:
  • Schwankschwindel und Gangunsicherheit
  • Unsicherheit auf unebenem Untergrund
  • Schwierigkeiten beim Gehen im Dunkeln
  • Verschwommenes Sehen während des Gehens (Oszillopsien)
  • Unsicherheit beim Treppensteigen oder schnellen Richtungswechseln
  • Erhöhte Sturzgefahr
Viele Betroffene bemerken diese Veränderungen schleichend über Monate oder Jahre und führen sie fälschlicherweise auf das normale Älterwerden zurück.
Dabei handelt es sich jedoch um eine eigenständige altersbedingte Funktionsstörung des Gleichgewichtssystems.
Die gute Nachricht:
Auch wenn sich die altersbedingten Veränderungen des Innenohres nicht rückgängig machen lassen, kann das Gehirn lernen, die verbleibenden Informationen besser zu nutzen. Gezieltes Gleichgewichts-, Kraft- und Gangtraining sowie eine vestibuläre Rehabilitation können die Gangstabilität verbessern, die Sturzgefahr verringern und die Lebensqualität häufig deutlich steigern.
 
3. Orthostatische Hypotonie – Schwindel beim Aufstehen

Eine der häufigsten Ursachen für Schwindel im höheren Lebensalter ist die orthostatische Hypotonie.
Dabei fällt der Blutdruck beim Aufstehen plötzlich ab. Das Gehirn wird für kurze Zeit nicht ausreichend durchblutet, wodurch Schwindel, Benommenheit oder sogar eine kurze Ohnmacht (Synkope) auftreten können.
Typische Beschwerden sind:
  • Schwindel unmittelbar nach dem Aufstehen
  • Schwarzwerden vor den Augen
  • Benommenheit
  • Unsicherheit in den ersten Sekunden nach dem Aufstehen
  • gelegentlich Stürze oder kurze Bewusstlosigkeit
Besonders häufig tritt eine orthostatische Hypotonie bei älteren Menschen auf, da die Blutdruckregulation mit zunehmendem Alter langsamer reagiert.
Auch bestimmte Medikamente – beispielsweise Blutdrucksenker oder entwässernde Medikamente – können das Risiko zusätzlich erhöhen.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.
Oft helfen bereits einfache Maßnahmen:
  • langsam aufstehen,
  • ausreichend trinken,
  • nach ärztlicher Rücksprache die Trink- und Salzzufuhr optimieren,
  • regelmäßiges Krafttraining der Beinmuskulatur,
  • Kompressionsstrümpfe oder
  • eine Anpassung der Medikamente.
 

4. Medikamente als Schwindelauslöser

Viele ältere Menschen nehmen täglich mehrere Medikamente ein.
Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto größer wird das Risiko für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Zu den häufigsten Medikamenten, die Schwindel verursachen oder verstärken können, gehören:
  • Blutdrucksenker
  • Schlafmittel
  • Beruhigungsmittel
  • bestimmte Antidepressiva
  • starke Schmerzmittel
  • einige Medikamente gegen Parkinson
  • Medikamente gegen Epilepsie
Nicht immer ist ein einzelnes Medikament verantwortlich.
Häufig entsteht Schwindel erst durch die Kombination mehrerer Präparate.
Deshalb sollte bei neu aufgetretenem Schwindel immer überprüft werden, ob Medikamente eine Rolle spielen könnten.
Wichtig: Setzen Sie Medikamente niemals eigenständig ab. Änderungen sollten immer gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt erfolgen.
 
5. Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können Schwindel verursachen.
Hierzu zählen beispielsweise:
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzschwäche
  • Herzklappenerkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • kurzzeitige Kreislaufzusammenbrüche (Synkopen)
Im Gegensatz zu Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans berichten Betroffene häufig eher über Benommenheit, Schwäche oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.
Treten Schwindel zusammen mit Brustschmerzen, Herzrasen, Atemnot oder einer Bewusstlosigkeit auf, sollte dies immer zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Eine sorgfältige internistische oder kardiologische Untersuchung ist in diesen Fällen besonders wichtig.
 
6. Neurologische Erkrankungen

Auch Erkrankungen des Nervensystems können Schwindel oder Gangunsicherheit verursachen.
Hierzu gehören unter anderem:
  • Morbus Parkinson
  • Schlaganfälle
  • Kleinhirnerkrankungen
  • Multiple Sklerose
  • Demenzerkrankungen
  • Polyneuropathien
Dabei handelt es sich meist nicht um einen typischen Drehschwindel.
Viel häufiger berichten Betroffene über:
  • Unsicherheit beim Gehen,
  • Gleichgewichtsstörungen,
  • Gangveränderungen oder
  • eine zunehmende Sturzneigung.
Gerade deshalb ist eine genaue neurologische Untersuchung ein wichtiger Bestandteil jeder umfassenden Schwindeldiagnostik.
 
7. Sehstörungen und Polyneuropathien

Für ein stabiles Gleichgewicht verlässt sich unser Gehirn auf drei wichtige Informationsquellen:
  • das Gleichgewichtsorgan,
  • die Augen und
  • die Tiefensensibilität.
Unter Tiefensensibilität versteht man die Fähigkeit unseres Körpers, die Stellung der Gelenke sowie den Kontakt der Füße zum Boden wahrzunehmen.
Mit zunehmendem Alter können sowohl die Sehkraft als auch diese Sensibilität nachlassen.
Besonders häufig ist dies bei einer Polyneuropathie, beispielsweise im Rahmen eines Diabetes mellitus.
Die Folge:
Das Gehirn erhält weniger Informationen darüber, wo sich die Füße befinden.
Zusammen mit einer verminderten Sehfähigkeit entsteht dadurch häufig eine deutliche Gangunsicherheit.
Viele Betroffene berichten, dass sie sich im Dunkeln wesentlich unsicherer fühlen als bei Tageslicht.
 

Mehrere Ursachen gleichzeitig sind die Regel

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Patienten besteht darin, dass Schwindel im höheren Lebensalter häufig multifaktoriell entsteht.
Das bedeutet:
Nicht eine einzelne Erkrankung verursacht die Beschwerden, sondern mehrere Faktoren wirken gleichzeitig zusammen.

Ein Beispiel aus der Praxis:
Eine 79-jährige Patientin leidet unter
  • einer Presbyvestibulopathie,
  • einer leichten Polyneuropathie,
  • einer Sehverschlechterung,
  • blutdrucksenkenden Medikamenten sowie
  • einer verminderten Muskelkraft.
Jede dieser Veränderungen für sich würde möglicherweise nur geringe Beschwerden verursachen.
Gemeinsam führen sie jedoch zu einer deutlichen Gangunsicherheit und einem erhöhten Sturzrisiko.
Gerade deshalb reicht es häufig nicht aus, nur eine einzelne Ursache zu behandeln.
Eine erfolgreiche Therapie berücksichtigt möglichst alle beeinflussbaren Faktoren.
 

Warum Stürze so gefährlich sind

Schwindel ist weit mehr als nur ein unangenehmes Symptom.
Er gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Stürze.
Mit zunehmendem Alter steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit zu stürzen – auch die Folgen werden schwerwiegender.
Dazu gehören unter anderem:
  • Hüftfrakturen,
  • Oberschenkelhalsbrüche,
  • Wirbelkörperfrakturen,
  • Kopfverletzungen,
  • längere Krankenhausaufenthalte,
  • Verlust der Selbstständigkeit und
  • die Angst vor weiteren Stürzen.
Viele ältere Menschen beginnen nach einem Sturz, körperliche Aktivitäten zu vermeiden.
Dadurch nimmt die Muskelkraft weiter ab, das Gleichgewicht verschlechtert sich und das Risiko für den nächsten Sturz steigt erneut.
Dieser sogenannte Teufelskreis der Immobilität lässt sich jedoch häufig durch gezieltes Training und eine frühzeitige Behandlung durchbrechen.

Wie wird Schwindel im Alter untersucht?

Da Schwindel im höheren Lebensalter häufig mehrere Ursachen gleichzeitig hat, ist eine sorgfältige Diagnostik besonders wichtig.
Eine erfolgreiche Behandlung beginnt deshalb nicht mit einer Therapie, sondern mit einer strukturierten Befundung.
Am Anfang steht immer ein ausführliches Gespräch.

Dabei sind unter anderem folgende Fragen wichtig:
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Handelt es sich um Drehschwindel, Schwankschwindel oder Benommenheit?
  • Treten die Beschwerden beim Aufstehen, Gehen oder bei bestimmten Kopfbewegungen auf?
  • Gab es bereits Stürze?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Bestehen Herz-Kreislauf-, neurologische oder HNO-Erkrankungen?
Anschließend erfolgt eine gezielte klinische Untersuchung.
Je nach Beschwerden können unter anderem folgende Untersuchungen sinnvoll sein:
  • Untersuchung der Augenbewegungen
  • Kopfimpulstest zur Beurteilung der Gleichgewichtsorgane
  • Lagerungsprüfung zum Ausschluss eines Lagerungsschwindels
  • Gleichgewichts- und Gangtests
  • Blutdruckmessung im Liegen und Stehen
  • Beurteilung der Muskelkraft und Beweglichkeit
  • neurologische Untersuchung
  • Hörprüfung und HNO-Diagnostik
Da Schwindel häufig mehrere medizinische Fachgebiete betrifft, arbeiten spezialisierte Schwindelzentren eng mit Hausärzten, HNO-Ärzten, Neurologen, Kardiologen und Augenärzten zusammen.
Gerade dieses interdisziplinäre Vorgehen ermöglicht es häufig, auch komplexe Ursachen sicher einzuordnen.

 

Wie wird Schwindel im Alter behandelt?

Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache.
Ein allgemeines Medikament gegen Schwindel gibt es nicht.
Vielmehr werden die verschiedenen Auslöser gezielt behandelt.
Je nach Diagnose kommen beispielsweise folgende Maßnahmen infrage:

Lagerungsschwindel
Der gutartige Lagerungsschwindel lässt sich meist durch spezielle Befreiungsmanöver innerhalb weniger Minuten erfolgreich behandeln.
 
Orthostatische Hypotonie
Hier stehen Maßnahmen zur Verbesserung der Kreislaufregulation im Vordergrund.
Dazu gehören unter anderem:
  • ausreichendes Trinken,
  • langsames Aufstehen,
  • regelmäßige Bewegung,
  • Krafttraining,
  • gegebenenfalls Kompressionsstrümpfe sowie
  • eine Überprüfung der Blutdruckmedikamente.
Medikamentenbedingter Schwindel
In manchen Fällen reicht bereits eine Anpassung der Medikation aus.
Diese sollte jedoch ausschließlich durch den behandelnden Arzt erfolgen.
 
Neurologische oder internistische Ursachen
Hier richtet sich die Therapie nach der jeweiligen Grunderkrankung.
Eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen ist dabei besonders wichtig.
 
Vestibuläre Rehabilitation
Liegt eine Störung des Gleichgewichtsorgans vor, spielt die vestibuläre Rehabilitation eine entscheidende Rolle.
Sie gehört heute zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Behandlungsverfahren bei vielen Formen des Schwindels.
Durch individuell angepasste Übungen lernt das Gehirn, die eingeschränkten Informationen des Gleichgewichtsorgans besser zu verarbeiten und andere Sinnesinformationen gezielt zu nutzen.

Das Training umfasst unter anderem:
  • Blickstabilisierungsübungen,
  • Gleichgewichtstraining,
  • Gangtraining,
  • Koordinationsübungen,
  • Krafttraining sowie
  • alltagsnahe Bewegungsaufgaben.
Zahlreiche Studien zeigen, dass eine vestibuläre Rehabilitation die Gangstabilität verbessern, die Sturzgefahr senken und die Lebensqualität deutlich erhöhen kann.
Gerade ältere Menschen profitieren häufig besonders von einem individuell angepassten Trainingsprogramm.
 

Was können Betroffene selbst tun?

Auch unabhängig von der eigentlichen Ursache können Betroffene viel dazu beitragen, ihre Sicherheit im Alltag zu verbessern.

Besonders hilfreich sind:
  • regelmäßige körperliche Aktivität,
  • gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining,
  • ausreichend trinken,
  • langsam aus dem Sitzen oder Liegen aufstehen,
  • Medikamente regelmäßig überprüfen lassen,
  • gutes Schuhwerk tragen,
  • Stolperfallen in der Wohnung beseitigen,
  • für eine gute Beleuchtung sorgen und
  • regelmäßige Seh- und Hörkontrollen wahrnehmen.
Schon kleine Veränderungen können das Sturzrisiko deutlich senken.
 

Fazit

Schwindel im Alter gehört zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden – er ist jedoch keine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens.
In vielen Fällen lassen sich eine oder sogar mehrere behandelbare Ursachen finden.
Gerade weil häufig verschiedene Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen, ist eine strukturierte Diagnostik besonders wichtig.
Die gute Nachricht lautet:
Für viele Schwindelursachen stehen heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Lagerungsmanöver, die Optimierung der Kreislaufregulation, eine Anpassung der Medikation sowie eine gezielte vestibuläre Rehabilitation.
Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lassen sich Beschwerden lindern, Stürze vermeiden und die Selbstständigkeit erhalten.
Niemand sollte Schwindel im Alter einfach hinnehmen.
Er ist ein Warnsignal des Körpers – und oft der erste Schritt zu einer Diagnose, die sich erfolgreich behandeln lässt.
 

Quellen

  • Agrawal Y, Carey JP, Della Santina CC, Schubert MC, Minor LB. Disorders of balance and vestibular function in US adults. Archives of Internal Medicine. 2009.
  • Agrawal Y, Ward BK, Minor LB. Vestibular dysfunction: prevalence, impact and need for targeted intervention in older adults. Journal of Vestibular Research.
  • Hall CD, Herdman SJ, Whitney SL et al. Vestibular Rehabilitation Clinical Practice Guideline. Updated Clinical Practice Guideline of the American Physical Therapy Association (APTA). 2022.
  • Bárány Society. Diagnostic criteria for Presbyvestibulopathy. Journal of Vestibular Research. 2019.
  • World Guidelines for Falls Prevention and Management for Older Adults. 2022.
  • Montero-Odasso M et al. World Falls Guidelines. Age and Ageing. 2022.
  • Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Empfehlungen zur Sturzprävention im Alter.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Leitlinien zu Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.
  • Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Aktuelle Empfehlungen zu vestibulären Erkrankungen.
 
Autor: Tom Hanf
Physiotherapeut und Vestibulartherapeut
Schwindelzentrum Saarbrücken