Welche Medikamente Schwindel auslösen – und warum nicht jede Schwindelart mit Medikamenten behandelt wird
Viele Menschen, die unter Schwindel leiden, stellen sich dieselbe Frage: „Kann mein Medikament die Ursache sein?”
Während Medikamente bei einigen Erkrankungen sinnvoll oder sogar unverzichtbar sind, spielen sie bei anderen kaum eine Rolle oder können den Heilungsverlauf sogar verzögern.
- welche Medikamente selbst Schwindel auslösen können,
- bei welchen Schwindelerkrankungen Medikamente sinnvoll sind,
- wann sie nur kurzfristig eingesetzt werden sollten und
- warum eine genaue Diagnose die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist.
Ein Beispiel aus unserer Praxis:
Erst nach einer gemeinsamen Überprüfung der Medikation mit dem Hausarzt und einem gezielten vestibulären Trainingsprogramm besserte sich der Schwindel deutlich.
Wie können Medikamente Schwindel verursachen?
Deshalb ist es wichtig zu unterscheiden, warum ein Medikament Schwindel verursacht.
Typische Hinweise auf einen medikamentenbedingten Schwindel
- Beginn der Beschwerden nach einer Neueinstellung oder Dosiserhöhung eines Medikaments
- Schwindel kurz nach der Einnahme
- Benommenheit statt klassischem Drehschwindel
- Beschwerden vor allem beim Aufstehen
- Unsicherheit beim Gehen
- Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen
- Einnahme mehrerer Medikamente gleichzeitig (Polypharmazie)
Medikamente gegen Schwindel – helfen sie immer?
Während sie bei einigen Erkrankungen hilfreich sein können, spielen sie bei anderen kaum eine Rolle oder können den Heilungsverlauf sogar verzögern.
Welche Medikamente können Schwindel verursachen?
Je mehr Medikamente gleichzeitig verordnet werden, desto größer ist das Risiko für Wechselwirkungen, Blutdruckabfälle oder Beeinträchtigungen des Gleichgewichts.
- Benommenheit
- Schwarzwerden vor den Augen
- Unsicherheit beim Gehen
- Schwindel beim Aufstehen
- Kreislaufschwäche
- Benommenheit
- Unsicherheit
- Schwindel beim Lagewechsel
- Benommenheit
- Gangunsicherheit
- verlangsamte Reaktionen
- erhöhte Sturzgefahr
- Gentamicin und andere Aminoglykosid-Antibiotika
- Cisplatin und andere bestimmte Chemotherapeutika
- einige Schleifendiuretika (vor allem in hohen Dosierungen)
- anhaltender Schwankschwindel
- Gangunsicherheit
- Oszillopsien (verschwommenes Sehen bei Kopfbewegungen)
- bilaterale vestibuläre Hypofunktion
Medikamente gegen Schwindel – wann sind sie sinnvoll?
Warum vestibuläre Sedativa nur kurzfristig eingesetzt werden sollten
Medikamente wie Dimenhydrinat (Vomex®) oder andere vestibuläre Sedativa können starke Übelkeit und akuten Drehschwindel wirksam lindern.
Gerade bei einer Neuritis vestibularis oder während eines akuten Morbus-Menière-Anfalls können sie in den ersten Tagen eine wichtige Unterstützung sein.
Für eine langfristige Behandlung sind sie jedoch nicht geeignet.
Der Grund:
Das Gehirn muss lernen, die veränderten Signale aus dem Gleichgewichtsorgan zu verarbeiten. Diesen Anpassungsprozess bezeichnet man als vestibuläre Kompensation.
Eine dauerhafte Einnahme vestibulärer Sedativa kann diesen natürlichen Lernprozess verlangsamen.
Deshalb empfehlen internationale Leitlinien, diese Medikamente möglichst nur kurzfristig in der Akutphaseeinzusetzen.
Wie erkennt man einen medikamentenbedingten Schwindel?
Deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend.
- Wann haben die Beschwerden begonnen?
- Wurde kurz zuvor ein neues Medikament verordnet?
- Hat sich die Dosierung verändert?
- Werden mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen?
- Treten die Beschwerden kurz nach der Einnahme oder vor allem beim Aufstehen auf?
Warum eine Medikamentenliste so wichtig ist
- frei verkäufliche Medikamente,
- pflanzliche Präparate,
- Nahrungsergänzungsmittel,
- Tropfen und Bedarfsmedikamente.
Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
- Blutdruckmessung im Liegen und Stehen
- neurologische Untersuchung
- HNO-ärztliche Untersuchung
- vestibuläre Funktionsdiagnostik
- Gleichgewichts- und Gangtests
- Überprüfung möglicher Medikamentenwechselwirkungen
Nicht selten zeigt sich dabei, dass mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen.
Was sollten Betroffene tun?
Oft reicht bereits eine kleine Anpassung der Dosierung, ein anderer Einnahmezeitpunkt oder der Wechsel auf ein besser verträgliches Präparat aus.
- ausreichend trinken,
- langsam aufstehen,
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren,
- regelmäßige Bewegung,
- Kraft- und Gleichgewichtstraining,
- vestibuläre Rehabilitation bei nachgewiesener Gleichgewichtsstörung.
Fazit