Vitamine und Schwindel – wenn zu wenig oder zu viel das Gleichgewicht stört
Vitamin B6, B12, B1 und Vitamin D: Was die Wissenschaft über Vitaminmangel, Überdosierung und Gleichgewichtsstörungen sagt.
Wer unter Schwindel leidet und nach möglichen Ursachen sucht, stößt früher oder später auf das Thema Vitamine. Vitamin B12, Vitamin D, Vitamin B6 oder Folsäure werden dabei häufig genannt. Schnell entsteht der Eindruck, ein Vitaminmangel sei eine typische Ursache von Schwindel – und die Lösung bestehe darin, einfach entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.
Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
Bestimmte Vitaminmangelzustände können tatsächlich neurologische oder andere körperliche Veränderungen verursachen, die zu Schwindel, Benommenheit, Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsstörungen führen. Bei einzelnen Vitaminen kann aber auch eine Überdosierung selbst neurologische Schäden verursachen.
Entscheidend ist außerdem: Nicht alles, was ein Patient als „Schwindel“ bezeichnet, ist tatsächlich eine Störung des Gleichgewichtsorgans.
Kapitel 1 – Schwindel ist nicht gleich Vitaminmangel
Schwindel ist zunächst ein Symptom und keine Diagnose.
Dahinter können Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans, neurologische oder kardiovaskuläre Ursachen, Medikamente, Stoffwechselstörungen und in bestimmten Situationen auch Vitaminmangelzustände oder eine übermäßige Vitaminzufuhr stecken.
Deshalb sollte zunächst geklärt werden:
Was meint der Patient eigentlich, wenn er von „Schwindel“ spricht?
Patienten verwenden diesen Begriff für sehr unterschiedliche Beschwerden:
- Drehschwindel mit dem Gefühl, dass sich die Umgebung bewegt,
- Schwankschwindel oder ein Gefühl „wie auf einem Boot“,
- Benommenheit oder ein „Wattegefühl“ im Kopf,
- Schwarzwerden vor den Augen beziehungsweise Präsynkope,
- Gangunsicherheit und Gleichgewichtsstörungen.
Diese Unterscheidung ist beim Thema Vitamine besonders wichtig.
Gleichgewicht braucht mehr als ein gesundes Innenohr
Damit wir sicher stehen und gehen können, verarbeitet unser Gehirn kontinuierlich Informationen aus mehreren sensorischen Systemen.
Besonders wichtig sind:
- das vestibuläre System
- die visuelle Wahrnehmung
- die Somatosensorik beziehungsweise Propriozeption.
Über die Propriozeption erhält das Gehirn unter anderem Informationen darüber, wo sich unsere Gelenke befinden und wie unser Körper auf dem Untergrund steht.
Genau hier wird der Zusammenhang mit bestimmten Vitaminen interessant.
Ein ausgeprägter Vitamin-B12-Mangel kann beispielsweise neurologische Strukturen schädigen und unter anderem die Tiefensensibilität beeinträchtigen. Eine chronisch zu hohe Aufnahme von Vitamin B6 kann dagegen eine sensorische Polyneuropathie verursachen. (PubMed)
In beiden Situationen können Informationen aus Beinen und Füßen das Gehirn nicht mehr zuverlässig erreichen.
Der Patient empfindet dies möglicherweise als „Schwindel“, obwohl das eigentliche Problem nicht im Gleichgewichtsorgan liegt.
Typisch können dann beispielsweise eine zunehmende Gangunsicherheit, Schwierigkeiten auf unebenem Untergrund oder eine deutliche Verschlechterung des Gleichgewichts im Dunkeln sein.
Manchmal ist nicht zu wenig, sondern zu viel das Problem
Ein wichtiger Punkt wird häufig unterschätzt:
Vitamine sind nicht grundsätzlich harmlos, nur weil sie frei verkäuflich sind.
Besonders eindrucksvoll zeigt dies Vitamin B6. Eine langfristig übermäßige Zufuhr kann eine sensorische Neuropathie verursachen. (PubMed)
Bei der Anamnese eines Patienten mit ungeklärter Gang- oder Gleichgewichtsstörung sollte deshalb nicht nur nach Medikamenten gefragt werden, sondern auch nach Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminpräparaten und deren Dosierung.
MERKE
: Vitamine können bei Schwindel und Gleichgewichtsstörungen eine Rolle spielen – aber über sehr unterschiedliche Mechanismen. Ein Mangel kann neurologische Funktionen beeinträchtigen, während bei einzelnen Vitaminen auch eine Überdosierung neurologische Schäden verursachen kann. Entscheidend ist deshalb immer die Einordnung der Beschwerden und nicht allein ein Laborwert.
Kapitel 2 – Vitamin B6: Wenn zu viel des Guten das Gleichgewicht stört
Bei Vitaminen denken die meisten Menschen zunächst an einen Mangel. Bei Vitamin B6 kann jedoch genau das Gegenteil zum Problem werden.
Eine dauerhaft zu hohe Zufuhr kann das periphere Nervensystem schädigen und eine sensorische Polyneuropathieverursachen. Ein systematischer Review bestätigt den Zusammenhang zwischen erhöhter B6-Zufuhr beziehungsweise erhöhten B6-Spiegeln und vorwiegend sensorischen Neuropathien. (PubMed)
Diese können sich nicht nur durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen, sondern auch durch erhebliche Gang- und Gleichgewichtsstörungen.
Was ist Vitamin B6?
Vitamin B6 bezeichnet eine Gruppe miteinander verwandter Verbindungen. In Nahrungsergänzungsmitteln findet sich häufig Pyridoxin, während Pyridoxal-5′-phosphat (PLP) eine biologisch aktive Form darstellt.
Vitamin B6 ist unter anderem am Aminosäurestoffwechsel und an zahlreichen Funktionen des Nervensystems beteiligt.
Eine ausreichende Versorgung ist notwendig.
Daraus folgt allerdings nicht:
Je mehr Vitamin B6, desto besser für die Nerven.
Was passiert bei einer B6-Überdosierung?
Bei einer B6-Neurotoxizität können insbesondere sensible Nervenstrukturen betroffen sein.
Mögliche Beschwerden sind:
- Kribbeln und Ameisenlaufen,
- Taubheitsgefühle,
- Brennen oder andere Missempfindungen,
- Störungen der Sensibilität,
- vermindertes Vibrations- und Lageempfinden,
- unsicheres Gehen,
- Gleichgewichtsstörungen,
- sensible Ataxie.
Gerade der letzte Punkt ist für die Schwindelbefundung interessant.
Warum kann eine Polyneuropathie als „Schwindel“ wahrgenommen werden?
Sind die sensiblen Nerven der Füße und Beine beeinträchtigt, erhält das Gehirn weniger zuverlässige Informationen über Körperposition und Untergrund.
Solange der Patient seine Augen geöffnet hat und auf festem Untergrund steht, können andere sensorische Systeme einen Teil dieses Defizits kompensieren.
Werden die visuellen Informationen reduziert – beispielsweise beim Gehen im Dunkeln – kann die Unsicherheit erheblich zunehmen.
Patienten beschreiben dann möglicherweise:
- „Mir ist schwindelig.“
- „Ich schwanke.“
- „Ich fühle mich beim Gehen unsicher.“
- „Im Dunkeln ist es besonders schlimm.“
Das muss jedoch kein vestibulärer Schwindel sein.
Die Supplement-Falle
Eine erhöhte B6-Zufuhr entsteht häufig durch Nahrungsergänzungsmittel.
Vitamin B6 kann gleichzeitig Bestandteil verschiedener Produkte sein – beispielsweise von Vitamin-B-Komplexen oder Multivitaminpräparaten.
Problematisch kann die Gesamtdosis werden, wenn mehrere Präparate gleichzeitig eingenommen werden.
Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten:
„Nehmen Sie Vitamine?“
Sondern:
„Welche Nahrungsergänzungsmittel nehmen Sie täglich ein und wie viel Vitamin B6 ist darin insgesamt enthalten?“
Ab welcher Dosis wird Vitamin B6 problematisch?
Diese Frage lässt sich nicht mit einer einfachen individuellen Grenzzahl beantworten.
Frühere Berichte über schwere Pyridoxin-Neuropathien betrafen häufig sehr hohe Dosierungen. Inzwischen liegen jedoch auch Berichte über neurologische Beschwerden bei deutlich geringerer Zufuhr vor, wobei die Daten insbesondere im niedrigeren Dosisbereich weniger eindeutig sind und die individuelle Empfindlichkeit eine Rolle spielen dürfte. (EFSA)
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 die periphere Neuropathie als entscheidenden toxikologischen Endpunkt herangezogen und für Erwachsene einen tolerierbaren oberen Aufnahmewert – den sogenannten Upper Level (UL) – von 12 mg Vitamin B6 pro Tag festgelegt. (EFSA)
Dieser Wert muss richtig verstanden werden:
12 mg pro Tag sind keine Schwelle, ab der automatisch eine Neuropathie entsteht.
Der UL ist vielmehr ein populationsbezogener Sicherheitswert für die langfristige tägliche Gesamtaufnahme.
Wie erkennt man eine mögliche B6-Neuropathie?
Bei ungeklärter Gang- und Gleichgewichtsstörung können insbesondere folgende Befunde aufmerksam machen:
- Parästhesien
- distale Sensibilitätsstörungen
- Veränderungen von Vibrations-/Lageempfinden + zunehmende Gangunsicherheit.
Bei stärker ausgeprägter propriozeptiver Störung kann sich die Standunsicherheit bei fehlender visueller Kontrolle deutlich verstärken.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch „Vitamin-B6-Toxizität“.
Die eigentliche Frage lautet zunächst:
Liegt eine Polyneuropathie vor – und wenn ja, was ist deren Ursache?
Neben Diabetes mellitus, Alkohol, Medikamenten, Vitamin-B12-Mangel und zahlreichen weiteren Ursachen sollte dann auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln berücksichtigt werden.
Erholt sich der Nerv wieder?
Nach Beendigung einer übermäßigen B6-Zufuhr können sich Beschwerden bessern. Der Verlauf ist jedoch unterschiedlich, und eine Erholung kann Zeit benötigen. Der systematische Review berichtet bei Patienten nach Absetzen der Supplementierung häufig eine Besserung der neurologischen Beschwerden. (PubMed)
Bei ausgeprägten beziehungsweise lange bestehenden Schädigungen sollte jedoch nicht versprochen werden, dass sich sämtliche Beschwerden vollständig zurückbilden.
MERKE
: Eine chronisch zu hohe Vitamin-B6-Zufuhr kann eine sensorische Polyneuropathie verursachen. Gestörte Propriozeption und sensible Ataxie können vom Patienten als „Schwindel“ wahrgenommen werden. Deshalb gehört bei ungeklärter Gangunsicherheit auch die genaue Frage nach Nahrungsergänzungsmitteln und deren B6-Gesamtdosis in die Anamnese.
Kapitel 3 – Vitamin B12: Wenn dem Gleichgewicht wichtige Informationen fehlen
Während bei Vitamin B6 vor allem eine Überdosierung problematisch werden kann, ist es bei Vitamin B12 (Cobalamin)genau umgekehrt.
Ein länger bestehender Mangel kann das Nervensystem schädigen und unter anderem Myelopathie und periphere Neuropathie verursachen. (PubMed)
Dadurch können Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und Beschwerden entstehen, die Patienten wiederum als „Schwindel“ beschreiben.
Warum braucht das Nervensystem Vitamin B12?
Vitamin B12 spielt eine wichtige Rolle für Stoffwechselprozesse und die normale Funktion des zentralen und peripheren Nervensystems.
Bei einem ausgeprägten Mangel können sowohl periphere Nerven als auch sensible Bahnen des Rückenmarks betroffen sein.
Dadurch können Informationen über Vibration, Lage und Bewegung beeinträchtigt werden.
Vereinfacht gesagt:
Das Gehirn weiß auch ohne hinzusehen, wo sich Füße und Beine befinden.
Funktioniert dieses System nicht mehr zuverlässig, fehlt ein wichtiger Teil der Informationen für die Haltungskontrolle.
Typische neurologische Beschwerden
Mögliche Symptome eines relevanten B12-Mangels sind:
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle,
- vermindertes Vibrationsgefühl,
- Störungen der Tiefensensibilität,
- Unsicherheit beim Stehen und Gehen,
- Gefühl, „auf Watte“ zu laufen,
- Schwierigkeiten auf unebenem Untergrund,
- sensible Ataxie.
Wenn die Propriozeption beeinträchtigt ist, kann die visuelle Kontrolle wichtiger werden. Entsprechend kann die Gleichgewichtsstörung bei Augenschluss oder im Dunkeln deutlicher hervortreten.
Ein entsprechender Romberg-Befund ist allerdings nicht spezifisch für Vitamin-B12-Mangel.
Vitamin-B12-Mangel bedeutet nicht automatisch Anämie
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Ein B12-Mangel kann eine megaloblastäre Anämie verursachen. Neurologische Manifestationen können jedoch auch auftreten, ohne dass bereits die klassische hämatologische Konstellation besteht. Dies ist sowohl in der neurologischen Literatur als auch in klinischen Fallbeschreibungen dokumentiert. (PubMed)
Ein normales Blutbild allein sollte deshalb bei passenden neurologischen Symptomen nicht als sicherer Ausschluss eines B12-Mangels verstanden werden.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Ein B12-Mangel kann unter anderem begünstigt werden durch:
- unzureichende Zufuhr, beispielsweise bei veganer Ernährung ohne zuverlässige B12-Supplementierung,
- perniziöse Anämie beziehungsweise Intrinsic-Factor-Mangel,
- Erkrankungen mit gestörter Resorption,
- bestimmte Magen-Darm-Operationen,
- höheres Lebensalter und
- bestimmte Medikamente beziehungsweise langfristige Medikamenteneinnahmen.
Bei neurologischer Gangunsicherheit lohnt sich deshalb ein Blick auf Ernährung, Vorerkrankungen, Operationen und Medikation.
Welche Laborwerte sind hilfreich?
Gesamt-Vitamin-B12 kann als Ausgangswert verwendet werden.
Bei grenzwertigen oder klinisch nicht plausiblen Befunden können zusätzliche Marker wie Methylmalonsäure (MMA), Holotranscobalamin und gegebenenfalls Homocystein hilfreich sein.
Die Werte müssen jedoch im klinischen Kontext interpretiert werden.
MERKE
: Ein Vitamin-B12-Mangel kann periphere Nerven und sensible Bahnen des Rückenmarks beeinträchtigen. Eine Störung der Tiefensensibilität kann zu Gangunsicherheit und sensibler Ataxie führen. Neurologische Symptome können dabei auch ohne ausgeprägte Anämie auftreten.
Kapitel 4 – Vitamin B1: Wenn Thiaminmangel das vestibuläre System trifft
Vitamin B1 beziehungsweise Thiamin ist aus vestibulärer Sicht besonders interessant.
Während B6 und B12 häufig über Somatosensorik und periphere Nerven zu Gleichgewichtsstörungen führen, kann ein ausgeprägter Thiaminmangel zentrale vestibuläre und okulomotorische Strukturen beeinträchtigen.
Die bekannteste schwere Manifestation ist die Wernicke-Enzephalopathie.
Die klassische Trias ist nicht immer vorhanden
Traditionell wird die Wernicke-Enzephalopathie mit drei Symptombereichen verbunden:
- Bewusstseins- beziehungsweise kognitive Veränderungen,
- Augenbewegungsstörungen,
- Gang- und Standataxie.
Die vollständige klassische Konstellation muss jedoch nicht vorhanden sein.
Gerade aus schwindelmedizinischer Sicht ist das wichtig.
Kattah und Kollegen beschrieben fünf Patienten mit Thiaminmangel und vestibulären Manifestationen, die beidseits pathologische horizontale Kopfimpuls-/VOR-Reaktionen und pathologischen Blickrichtungsnystagmus aufwiesen, ohne dass eine Enzephalopathie vorlag. Nach Thiaminsubstitution bildeten sich die vestibulären und okulomotorischen Befunde bei vier Patienten vollständig zurück. (PubMed)
Thiaminmangel kann wie eine bilaterale Vestibulopathie aussehen
Eine weitere Untersuchung mit quantitativer Kopfimpulstestung fand bei Patienten mit Wernicke-Enzephalopathie eine besonders auffällige bilaterale Funktionsstörung der horizontalen Bogengänge beziehungsweise des horizontalen VOR, während die vertikalen Bogengänge vergleichsweise wenig betroffen waren. (PubMed)
Das ist klinisch bemerkenswert.
Ein beidseits pathologischer Kopfimpulstest beziehungsweise vHIT bedeutet also nicht zwangsläufig, dass eine primär periphere bilaterale Vestibulopathie vorliegt.
Pathologischer HIT/vHIT ≠ automatisch periphere vestibuläre Erkrankung.
Anamnese, Okulomotorik und neurologischer Gesamtbefund bleiben entscheidend.
Wer ist besonders gefährdet?
Thiaminmangel kann insbesondere auftreten bei:
- ausgeprägter Mangelernährung,
- chronischem Alkoholgebrauch,
- länger anhaltendem Erbrechen,
- Malabsorption,
- bariatrischen Operationen,
- schweren Erkrankungen mit stark eingeschränkter Nahrungsaufnahme.
Bei der Kombination aus Schwindel + Gangataxie + Augenbewegungsstörungen sollte bei entsprechendem Risikoprofil deshalb auch an Thiaminmangel gedacht werden.
Eine potenziell zeitkritische Situation
Eine Wernicke-Enzephalopathie ist kein harmloser Vitaminmangel, sondern eine potenziell akut behandlungsbedürftige neurologische Erkrankung.
Bei begründetem klinischem Verdacht sollte eine notwendige Behandlung nicht durch langes Warten auf Laborbestätigungen verzögert werden.
Für Therapeuten bedeutet das:
Nicht selbst anhand eines vHIT eine B1-Diagnose stellen – aber ungewöhnliche Befundkonstellationen erkennen und eine dringliche ärztliche Abklärung veranlassen.
MERKE
: Ein ausgeprägter Vitamin-B1-Mangel kann Ataxie, Augenbewegungsstörungen und eine deutliche VOR-Störung verursachen. Besonders die horizontale vestibuläre Funktion kann betroffen sein. Bei Schwindel, Gangataxie und okulomotorischen Auffälligkeiten plus entsprechender Risikokonstellation muss eine Wernicke-Enzephalopathie mitgedacht werden. (PubMed)
Kapitel 5 – Vitamin D und Lagerungsschwindel: Kann ein Mangel BPLS begünstigen?
Vitamin D nimmt eine besondere Stellung ein.
Hier geht es weniger um eine direkte neurologische Schädigung als um einen möglichen Zusammenhang mit dem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS/BPPV) und insbesondere dessen Rezidiven.
Was haben Vitamin D und Otokonien miteinander zu tun?
Beim BPLS gelangen Kalziumkarbonatkristalle – die sogenannten Otokonien – aus dem Otolithenorgan in einen Bogengang.
Vitamin D spielt eine zentrale Rolle im Kalzium- und Knochenstoffwechsel. Daher wird diskutiert, ob Störungen dieses Stoffwechsels auch Stabilität beziehungsweise Stoffwechsel der Otokonien beeinflussen könnten.
Das ist eine biologisch plausible Hypothese, aber kein Beweis dafür, dass Vitamin-D-Mangel BPLS verursacht.
Was zeigen die Studien?
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus 2024 mit insgesamt 9.843 Personen fand im Durchschnitt niedrigere Vitamin-D-Spiegel bei Patienten mit BPPV als bei Kontrollpersonen. Für den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegel und Rezidiven war die Evidenz dieser Analyse dagegen weniger eindeutig. (PubMed)
Interessanter sind deshalb die Interventionsstudien.
In einer großen randomisierten Studie von Jeong und Kollegen wurden 1.050 Patienten nach erfolgreicher Repositionsbehandlung untersucht.
Patienten der Interventionsgruppe mit einem Vitamin-D-Spiegel unter 20 ng/ml erhielten Vitamin D und Kalzium.
Die jährliche Rezidivrate betrug:
0,83 Rezidive pro Personenjahr in der Interventionsgruppe gegenüber 1,10 in der Kontrollgruppe.
Auch der Anteil der Patienten mit mindestens einem Rezidiv war geringer: 37,8 % gegenüber 46,7 %. (PubMed)
Eine weitere doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel unterstützt ebenfalls einen möglichen Nutzen der Vitamin-D-Supplementierung zur Rezidivprophylaxe. (PubMed)
Auch Metaanalysen sprechen inzwischen insgesamt für einen präventiven Effekt der Supplementierung bei entsprechenden Patienten. (PubMed)
Was können wir daraus seriös ableiten?
Die wissenschaftlich saubere Aussage lautet:
Bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel und rezidivierendem BPLS sprechen randomisierte Studien und Metaanalysen dafür, dass die Korrektur des Mangels das Rezidivrisiko reduzieren kann. Der Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel selbst und dem Auftreten beziehungsweise Wiederauftreten eines BPLS ist in Beobachtungsstudien jedoch nicht vollständig einheitlich.
Vitamin D behandelt keinen akuten Lagerungsschwindel
Dieser Punkt ist besonders wichtig:
Vitamin D entfernt keine Otokonien aus einem Bogengang.
Bei einem akuten BPLS bleibt das passende Repositionsmanöver die entscheidende Behandlung.
Vitamin D kommt vielmehr als mögliche zusätzliche Maßnahme zur Rezidivprophylaxe bei nachgewiesenem Mangelinfrage.
MERKE
: Vitamin D ist keine Therapie des akuten Lagerungsschwindels. Bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel und wiederkehrendem BPLS sprechen inzwischen relevante Studiendaten dafür, dass die Behandlung des Mangels die Zahl weiterer Episoden reduzieren kann. (PubMed)
Kapitel 6 – Folsäure und andere Vitamine: Nicht jeder Zusammenhang ist gleich stark
Nach B6, B12, B1 und Vitamin D stellt sich die Frage, welche weiteren Vitamine bei Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen relevant sein könnten.
Hier sollte man bewusst zurückhaltend sein.
Für zahlreiche Vitamine existieren theoretische Zusammenhänge oder einzelne Untersuchungen. Das macht einen entsprechenden Mangel noch nicht zu einer häufigen Schwindelursache.
Folat beziehungsweise Vitamin B9
Folat spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei Zellteilung, DNA-Synthese und Blutbildung.
Ein ausgeprägter Folatmangel kann – ähnlich wie ein B12-Mangel – zu einer megaloblastären Anämie führen.
Mögliche Folgen sind:
- Müdigkeit,
- Leistungsminderung,
- allgemeine Schwäche,
- Konzentrationsprobleme,
- Belastungsintoleranz,
- Benommenheit.
Neurologische Manifestationen eines Folatmangels sind ebenfalls beschrieben. Sie können sich mit denen eines B12-Mangels überschneiden; periphere Neuropathie und subakute kombinierte Rückenmarksdegeneration sind jedoch weniger häufig. (PubMed)
Folat und B12 gehören zusammen gedacht
Besonders wichtig ist die Abgrenzung zum Vitamin-B12-Mangel.
Hohe Folsäuredosen können die megaloblastäre Anämie eines B12-Mangels verbessern und dadurch einen wichtigen diagnostischen Hinweis weniger sichtbar machen.
Ob eine hohe Folsäurezufuhr darüber hinaus die neurologischen Folgen eines bestehenden B12-Mangels direkt verschlimmert, wird weiterhin diskutiert. Ein aktueller Review bewertet einen wesentlichen Teil dieser Evidenz als korrelativ beziehungsweise aus unkontrollierten klinischen Beobachtungen stammend. (PubMed)
Für die Praxis ist deshalb die vorsichtige Aussage sinnvoll:
Bei neurologischen Symptomen sollte ein möglicher Vitamin-B12-Mangel nicht durch die alleinige Betrachtung oder Behandlung des Folatstatus übersehen werden.
Vitamin E
Ein ausgeprägter Vitamin-E-Mangel kann neurologische Störungen mit Neuropathie, gestörter Tiefensensibilität und Ataxie verursachen.
Bei ansonsten gesunden Erwachsenen ist ein schwerer Mangel allerdings selten. Relevanter wird er beispielsweise bei Erkrankungen mit gestörter Aufnahme fettlöslicher Vitamine.
Vitamin E gehört daher nicht zu den ersten Erklärungen eines gewöhnlichen Schwindelpatienten.
Der entscheidende Grundsatz
Aus einem wissenschaftlichen Zusammenhang folgt nicht automatisch eine Supplementierungsempfehlung.
Aus:
„Ein Vitaminmangel kann bestimmte neurologische Symptome verursachen“
wird nicht:
„Dieses Vitamin hilft gegen Schwindel.“
Und aus:
„Vitamin B6 ist für das Nervensystem wichtig“
wird erst recht nicht:
„Je mehr B6, desto besser für meine Nerven.“
MERKE
: Ein Zusammenhang zwischen einem Vitamin und Schwindel bedeutet nicht automatisch, dass eine Supplementierung sinnvoll ist. Entscheidend sind Symptomatik, Risikofaktoren, klinischer Befund und gegebenenfalls eine gezielte Labordiagnostik.
Kapitel 7 – Welche Laborwerte sind bei Schwindel wirklich sinnvoll?
Es gibt nicht den einen Laborwert für Schwindel.
Bei einem typischen BPLS, einer vestibulären Migräne oder einer eindeutig einzuordnenden vestibulären Hypofunktion führt ein umfangreiches Vitaminlabor nicht automatisch zur Diagnose.
Anders sieht es aus, wenn zusätzliche Symptome auf eine metabolische, hämatologische oder neurologische Ursache hinweisen.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht:
„Welche Blutwerte braucht man bei Schwindel?“
Sondern:
„Welche Befunde machen welche Laboruntersuchung sinnvoll?“
Blutbild
Ein Blutbild kann beispielsweise bei Schwindel beziehungsweise Benommenheit zusammen mit Müdigkeit, Leistungsminderung, Belastungsintoleranz, Herzklopfen oder Atemnot sinnvoll sein.
Eine Anämie kann entsprechende Beschwerden verursachen.
Wichtig bleibt:
Ein normales Blutbild schließt einen neurologisch relevanten Vitamin-B12-Mangel nicht zuverlässig aus. (PubMed)
Vitamin B12
Eine B12-Diagnostik wird insbesondere bei neurologischen Auffälligkeiten interessant:
- Parästhesien,
- Taubheitsgefühle,
- vermindertes Vibrationsempfinden,
- gestörte Tiefensensibilität,
- Gangunsicherheit,
- sensible Ataxie.
Neben Gesamt-B12 können je nach Konstellation Methylmalonsäure, Holotranscobalamin und Homocysteinzusätzliche Informationen liefern.
Vitamin B6
Bei Polyneuropathie und gleichzeitiger Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte auch an eine übermäßige B6-Zufuhr gedacht werden.
Neben der Laborbestimmung von B6 beziehungsweise PLP ist hier insbesondere die Supplement-Anamnese wichtig.
Am besten werden sämtliche Präparate inklusive Dosierung erfasst.
Vitamin D
Vitamin D ist kein allgemeiner „Schwindelwert“.
Interessant kann die Bestimmung von 25-Hydroxy-Vitamin-D [25(OH)D] insbesondere bei rezidivierendem BPLS und entsprechenden Risikofaktoren beziehungsweise Mangelverdacht werden. (PubMed)
Vitamin B1
Beim Verdacht auf Wernicke-Enzephalopathie zählt dagegen die klinische Situation.
Bei akuter oder subakuter Gangataxie, okulomotorischen Auffälligkeiten und vestibulären Störungen zusammen mit einer passenden Risikokonstellation sollte eine notwendige medizinische Behandlung nicht durch das Warten auf Laborwerte verzögert werden.
Auch andere Laborwerte können sinnvoll sein
Abhängig von Anamnese und Befund können beispielsweise zusätzlich relevant sein:
Glukose/HbA1c – insbesondere bei Polyneuropathie oder Verdacht auf Störungen des Glukosestoffwechsels.
TSH – bei entsprechender Symptomatik beziehungsweise Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung.
Elektrolyte und Nierenwerte – beispielsweise bei Diuretikatherapie, Flüssigkeitsverlust, Nierenerkrankungen oder Polypharmazie.
Ferritin/Eisenstatus – bei Hinweisen auf Eisenmangel beziehungsweise Anämie.
Der entscheidende Grundsatz lautet:
Nicht vom Labor zum Patienten denken – sondern vom Patienten zum Labor.
MERKE
: Es gibt kein sinnvolles pauschales „Vitaminlabor für Schwindel“. Laboruntersuchungen sollten sich aus Anamnese und Befund ergeben. Ein auffälliger Laborwert erklärt den Schwindel erst dann überzeugend, wenn er auch zum klinischen Muster passt.
Kapitel 8 – Vitamine bei Schwindel: Was Patienten selbst tun können
Nach all diesen Zusammenhängen wird deutlich:
Die richtige Konsequenz lautet nicht, bei Schwindel möglichst viele Vitamine einzunehmen.
Viel wichtiger ist zunächst die Frage:
Welche Art von Schwindel oder Gleichgewichtsstörung liegt überhaupt vor?
Nahrungsergänzungsmittel gehören in die Medikamentenanamnese
Wer wegen Schwindel, Gangunsicherheit oder neurologischer Beschwerden einen Arzt oder Therapeuten aufsucht, sollte deshalb nicht nur seine Medikamente angeben.
Ebenso wichtig sind:
- Vitaminpräparate,
- Multivitaminprodukte,
- Vitamin-B-Komplexe,
- Mineralstoffpräparate,
- Sport- und Fitnesssupplemente,
- sonstige Nahrungsergänzungsmittel.
Dabei sollte auch die Dosierung bekannt sein.
Eine praktische Möglichkeit besteht darin, sämtliche Präparate zum Termin mitzubringen oder Verpackungen und Zutatenlisten mit dem Smartphone zu fotografieren.
Auf Mehrfachdosierungen achten
Gerade bei Vitamin B6 kann dasselbe Vitamin gleichzeitig in mehreren Produkten enthalten sein.
Deshalb sollte nicht nur jedes Präparat einzeln betrachtet werden.
Entscheidend ist die Gesamtzufuhr.
Wann sollte man an B6 denken?
Eine genauere Betrachtung der Nahrungsergänzungsmittel ist besonders sinnvoll bei:
Kribbeln + Brennen + Taubheitsgefühlen + verändertem Gefühl in den Füßen + zunehmender Gangunsicherheit.
Vor allem bei regelmäßiger Einnahme B6-haltiger Präparate sollte dann die Gesamtzufuhr überprüft werden.
Wann sollte man an B12 denken?
Vitamin B12 wird insbesondere interessant bei:
Parästhesien + gestörter Tiefensensibilität + vermindertem Vibrationsempfinden + sensibler Gangataxie.
Eine deutliche Verschlechterung der Gleichgewichtskontrolle ohne visuelle Orientierung kann zusätzlich auf eine relevante somatosensorische Störung hinweisen.
Wann sollte man an Vitamin D denken?
Vitamin D ist vor allem bei wiederkehrendem BPLS interessant.
Nach einer einzelnen Episode muss daraus nicht automatisch ein Vitamin-D-Mangel abgeleitet werden.
Bei rezidivierendem BPLS kann die Bestimmung des Vitamin-D-Status jedoch – insbesondere bei weiteren Risikofaktoren – sinnvoll sein.
Wann muss Schwindel dringend abgeklärt werden?
Unabhängig vom Thema Vitamine gilt:
Neu aufgetretener Schwindel mit Lähmungen, Sprach- oder Schluckstörungen, Doppelbildern, ausgeprägter neuer Stand- oder Gangataxie, Bewusstseinsstörungen oder anderen plötzlich aufgetretenen neurologischen Auffälligkeiten erfordert eine dringliche medizinische Beurteilung.
Auch die Kombination aus Mangelernährung beziehungsweise länger anhaltendem Erbrechen und Ataxie plus Augenbewegungsstörungen sollte ernst genommen werden.
Hier geht es nicht darum, zunächst selbst Vitamin B1 einzunehmen, sondern um eine zeitnahe medizinische Beurteilung.
Fünf Fragen für Patienten mit Schwindel
Wer wissen möchte, ob Vitamine bei seinen Beschwerden eine Rolle spielen könnten, kann zunächst fünf Fragen beantworten:
1. Welche Art von Schwindel habe ich?
Drehen, Schwanken, Benommenheit, Präsynkope oder hauptsächlich Gangunsicherheit?
2. Bestehen zusätzlich neurologische Symptome?
Kribbeln, Taubheit, Brennen oder Probleme mit der Sensibilität?
3. Welche Nahrungsergänzungsmittel nehme ich ein?
4. Nehme ich möglicherweise dasselbe Vitamin über mehrere Präparate gleichzeitig ein?
5. Gibt es Risikofaktoren für einen Mangel?
Zum Beispiel besondere Ernährungsformen, Mangelernährung, Magen-Darm-Erkrankungen, Medikamente oder vorausgegangene Operationen?
Diese Fragen sind häufig hilfreicher als die pauschale Frage:
„Welches Vitamin hilft gegen Schwindel?“
MERKE
: Bei Schwindel sollten Vitamine weder grundsätzlich verantwortlich gemacht noch wahllos eingenommen werden. Entscheidend ist zunächst die Ursache der Beschwerden. Ein gezieltes Labor kann bei entsprechender Anamnese sinnvoll sein – und genauso wichtig wie die Medikamentenliste ist häufig die Liste der Nahrungsergänzungsmittel samt Dosierung.
Fazit – Zwischen Vitaminmangel und Überdosierung
Vitamine können Schwindel und Gleichgewichtsstörungen auf erstaunlich unterschiedliche Weise beeinflussen.
Vitamin B6: Eine chronisch zu hohe Zufuhr kann eine sensorische Polyneuropathie verursachen und dadurch Gang- und Gleichgewichtsstörungen begünstigen. (PubMed)
Vitamin B12: Ein Mangel kann periphere Nerven und sensible Rückenmarksbahnen beeinträchtigen und dadurch unter anderem Tiefensensibilität und Gangkontrolle stören. (PubMed)
Vitamin B1: Ein ausgeprägter Thiaminmangel kann zentrale vestibuläre und okulomotorische Strukturen betreffen und sogar eine Konstellation erzeugen, die einer bilateralen vestibulären Funktionsstörung ähnelt. (PubMed)
Vitamin D: Hier besteht vor allem ein interessanter Zusammenhang mit dem BPLS. Bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel und rezidivierendem BPLS sprechen inzwischen Interventionsstudien und Metaanalysen dafür, dass die Behandlung des Mangels das Rezidivrisiko reduzieren kann. (PubMed)
Damit lautet die wichtigste Botschaft dieses Artikels:
Nicht möglichst viele Vitamine einnehmen – sondern die Ursache des Schwindels verstehen.
Eine gute Anamnese und klinische Befundung bleiben der Ausgangspunkt. Laboruntersuchungen können anschließend gezielt dabei helfen, eine vermutete Ursache zu überprüfen.
Und vielleicht gehört künftig eine Frage noch selbstverständlicher in jede ausführliche Schwindelanamnese:
„Welche Nahrungsergänzungsmittel nehmen Sie eigentlich ein – und in welcher Dosierung?“
Literatur und weiterführende Quellen
Vitamin B6
1.EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA). (2023). Scientific Opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6. EFSA Journal, 21, 8006. DOI: 10.2903/j.efsa.2023.8006. (EFSA)
EFSA – Scientific Opinion Vitamin B6
2.Muhamad R, Akrivaki A, Papagiannopoulou G, Zavridis P, Zis P. (2023). The Role of Vitamin B6 in Peripheral Neuropathy: A Systematic Review. Nutrients, 15(13), 2823. DOI: 10.3390/nu15132823. (PubMed)
PubMed – Vitamin B6 and Peripheral Neuropathy
Vitamin B12
3.Reynolds EH. (2014). Neurologic aspects of cobalamin (B12) deficiency. Handbook of Clinical Neurology, 120, 915–926. (PubMed)
PubMed – Neurologic aspects of vitamin B12 deficiency
4.Mathew AR, Di Matteo G, La Rosa P, et al. (2024). Vitamin B12 Deficiency and the Nervous System: Beyond Metabolic Decompensation – Comparing Biological Models and Gaining New Insights into Molecular and Cellular Mechanisms. International Journal of Molecular Sciences, 25(1), 590. DOI: 10.3390/ijms25010590. (PubMed)
Vitamin B1 / Thiamin
5.Kattah JC, Dhanani SS, Pula JH, Mantokoudis G, Saber Tehrani AS, Newman-Toker DE. (2013). Vestibular signs of thiamine deficiency during the early phase of suspected Wernicke encephalopathy. Neurology: Clinical Practice, 3(6), 460–468. DOI: 10.1212/01.CPJ.0000435749.32868.91. (PubMed)
PubMed – Vestibular signs of thiamine deficiency
6.Lee SH, Kim SH, Kim JM, Tarnutzer AA. (2018). Vestibular Dysfunction in Wernicke’s Encephalopathy: Predominant Impairment of the Horizontal Semicircular Canals. Frontiers in Neurology, 9, 141. DOI: 10.3389/fneur.2018.00141. (PubMed)
PubMed – Vestibular Dysfunction in Wernicke’s Encephalopathy
Vitamin D und BPLS
7.Jeong SH, Kim JS, Kim HJ, et al. (2020). Prevention of benign paroxysmal positional vertigo with vitamin D supplementation: A randomized trial. Neurology, 95(9), e1117–e1125. DOI: 10.1212/WNL.0000000000010343. (PubMed)
PubMed – Jeong et al. Vitamin D/BPPV trial
8.Vitamin D supplementation in preventing the recurrence of benign paroxysmal positional vertigo. (2024). Laryngoscope Investigative Otolaryngology. DOI: 10.1002/lio2.1225. (PubMed)
9.Association between vitamin D deficiency and benign paroxysmal positional vertigo (BPPV) incidence and recurrence: a systematic review and meta-analysis. (2024). Insgesamt 35 Studien mit Daten von 9.843 Teilnehmern. (PubMed)
PubMed – Vitamin D deficiency and BPPV meta-analysis
10.Prevention of recurrent benign paroxysmal positional vertigo with vitamin D supplementation: a meta-analysis.(2020). Fünf Studien, 1.250 Teilnehmer; gepooltes RR für BPPV-Rezidive 0,37 (95%-KI 0,18–0,76), allerdings mit erheblicher Heterogenität. (PubMed)
11.Association between vitamin D, vitamin D supplementation and benign paroxysmal positional vertigo: a systematic review and meta-analysis. (2025). 60 Studien mit insgesamt 16.368 Teilnehmern. (PubMed)
PubMed – aktuelle Vitamin-D/BPPV-Metaanalyse
Folat
12.Reynolds EH. (2014). The neurology of folic acid deficiency. Handbook of Clinical Neurology, 120, 927–943. DOI: 10.1016/B978-0-7020-4087-0.00061-9. (PubMed)
13.Miller JW, Smith A, Troen AM, Mason JB, Jacques PF, Selhub J. (2024). Excess Folic Acid and Vitamin B12 Deficiency: Clinical Implications? Food and Nutrition Bulletin, 45(1 Suppl), S67–S72. DOI: 10.1177/03795721241229503. (PubMed)
Der Artikel dient der Patienteninformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnostik oder Behandlung. Insbesondere sollten hoch dosierte Vitaminpräparate nicht aufgrund von Schwindelbeschwerden eigenständig begonnen oder dauerhaft eingenommen werden.
Autor: Tom Hanf / Schwindelzentrum Saarbrücken